Was ist ein akkreditiertes System nach ISO 17020 und welche Kfz-Werkstätten brauchen ein solches System?

  • Ein akkreditiertes System nach ISO 17020 ist ein Qualitätsmanagementsystem (QMS), mit dem z. B. die Durchführung amtlicher Fahrzeuguntersuchungen wie Abgasuntersuchung (AU) oder Gasanlagenprüfung (GAP) bewertet wird. In Deutschland ist die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) für die Akkreditierung/Bewertung zuständig.
  • Im Rahmen von hoheitlichen Fahrzeuguntersuchungen müssen Kfz-Werkstätten zukünftig zusätzlich zu den Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) die Vorgaben der ISO 17020 beachten und umsetzen. Hierzu zählt z. B. auch, dass alle eingesetzten Prüf‐ und Messeinrichtungen (z. B. Abgasmessgeräte) von einem akkreditierten Kalibrierlabor normenkonform kalibriert sind und dass die verantwortlichen Personen (Inspektoren), die die Fahrzeuguntersuchungen durchführen, hierbei völlig unabhängig und neutral sind.
  • Alle Kfz-Werkstätten, die zukünftig hoheitliche Fahrzeuguntersuchungen selbst durchführen und ihren Kunden anbieten wollen, müssen entweder selbst nach ISO 17020 akkreditiert sein oder sich dem nach ISO 17020 akkreditierten System des Bundesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) anschließen. Dies ist künftig Voraussetzung für die Anerkennung beispielsweise als AU- oder GAP-Werkstatt.

Welchem akkreditierten System nach ISO 17020 soll sich eine Kfz-Werkstatt anschließen?

Die selbstständige Akkreditierung jeder einzelnen Kfz-Werkstatt ist mit hohen Kosten verbunden. Daher baut der Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) als „Inspektionsstelle des Kraftfahrzeughandwerks" derzeit ein System (Qualitätsmanagementsystem - QMS) nach ISO 17020 auf, dem sich jede anerkannte Kfz-Werkstatt anschließen kann.

Was verändert sich, wenn sich eine Kfz-Werkstatt dem QMS des Bundesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) nach ISO 17020 anschließt?

  1. Die verantwortliche Person in der anerkannten Kfz-Werkstatt – die im Rahmen des QMS als Inspektor bezeichnet wird – verpflichtet sich, dass sie bei der Durchführung amtlicher Fahrzeuguntersuchungen die Qualitätsanforderungen des QMS erfüllt und unparteilich handelt.
  2. Die Kfz-Werkstatt wird vertraglich in das QMS eingebunden, so dass der Inspektor amtliche Fahrzeuguntersuchungen (Inspektionen) im Namen des BIV durchführen kann. Insbesondere muss sichergestellt und nachgewiesen werden, dass die Fahrzeuguntersuchungen unparteilich durchgeführt werden.
  3. Die Kfz-Werkstatt wird vom Kunden beauftragt, sein Fahrzeug zur Durchführung der amtlichen Fahrzeuguntersuchung bei der Inspektionsstelle des Kraftfahrzeughandwerks vorzuführen, wobei die amtliche Prüfung von der Werkstatt selbst im Namen des BIV durchgeführt wird. An der praktischen Durchführung ändert sich de facto also nichts. Hierfür kann die anerkannte Kfz-Werkstatt ein beliebiges Entgelt erheben.
  4. Nach Abschluss der Fahrzeuguntersuchung wird das Inspektionsergebnis anhand des Inspektionsnachweises (z. B. AU-Nachweis) mit fälschungserschwerenden Merkmalen (Nachweis-Siegel mit Zangenprägung) sowie - nachdem die Akkreditierung des BIV durch die DAkkS erfolgt ist - dem DAkkS-Symbol dem Kunden übergeben.
  5. Werkstattkunden haben zudem die Möglichkeit, Beschwerden über das Inspektionsergebnis oder Einsprüche gegen die anerkannte Kfz-Werkstatt beziehungsweise den Inspektor (verantwortliche Person) zu erheben. Beschwerden können direkt an den Landesinnungsverband gerichtet werden.

Mit welchem Mehraufwand muss eine in das QMS des Bundesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks eingebundene Kfz-Werkstatt rechnen?

Der Mehraufwand für Kfz-Werkstätten soll möglichst gering ausfallen. So kommen die bekannten Kalibrierungen auf die Kfz-Werkstätten zu und neu auch eine Arbeitsprobe beim Audit (Betriebsprüfung).

Was wird im Rahmen dieser Audits geprüft?

Im Rahmen der Audits wird unter anderem anhand einer Arbeitsprobe bei einer Fahrzeuguntersuchung ermittelt, ob die Qualitätsanforderungen des QMS von dem Inspektor (verantwortliche Person) bei der Durchführung dieser Untersuchung neben den Anforderungen der StVZO erfüllt werden.

Fazit:

Mit der Teilnahme an dem akkreditierten System des Bundesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks (BIV) nach ISO 17020 können Kfz-Werkstätten auch weiterhin mit der Durchführung von Fahrzeuguntersuchungen an der technischen Fahrzeugüberwachung teilhaben. Sie unterwerfen sich lediglich zusätzlich dem Qualitätsmanagementsystem der Inspektionsstelle des Kraftfahrzeughandwerks nach ISO 17020. Die Anforderungen und Fahrzeuguntersuchungen bleiben aber weitestgehend gleich. Wir als Ihre zuständige Kfz-Innung werden in den kommenden Wochen und Monaten auf Sie zukommen.

 
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