Fahrzeugbrände im Rems-Murr-Kreis

26.04.2018

In den Meldungen der Polizei tauchen in den letzten Wochen und Monaten vermehrt Berichte über Fahrzeugbrände auf. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) hat uns hierzu angefragt. Hier die Fragen und unsere Antworten:

Kfz-Innung: Eine Häufung von Brandschäden an Pkw kann die Innung nicht feststellen. Allerdings hat das wohl vor allem damit zu tun, dass die Autos in der Regel Totalschäden sind, das heißt ausgebrannte Autos können nicht repariert werden, sondern werden verschrottet und häufig direkt mit der Versicherung abgerechnet. Soweit der Innung bekannt ist, registrierte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zuletzt rund 40.000 Fahrzeugbrände im Jahr: Unterschieden wird dabei in 15.000 tatsächliche Brände, der Rest sind Schmorschäden durch Kurzschluss. Für den Innungsbereich und speziell für den Rems-Murr-Kreis gibt’s keine Zahlen.

WKZ: Welche Art von technischen Defekten sind das - was muss geschehen, damit ein Feuer z.B. im Motorraum entsteht?

Kfz-Innung: Schmorschäden durch Kurzschluss setzen defekte oder nicht vorhandene Isolationen an Kabeln und Steckern voraus. Das kann durch Alterung und mangelhafte Wartung entstehen oder durch unsachgemäße Arbeiten am Fahrzeug, speziell Bastelarbeiten. Es können aber auch Marderschäden die Ursache sein. Aus dem Schmorbrand kann sich Schlimmeres entwickeln, wenn beispielsweise defekte Benzinleitungen dazu kommen. Brandursache kann aber auch sein, wenn Benzin, Diesel oder Öl bei Defekten direkt auf heiße Flächen des Motors treffen. Auch hier können unsachgemäße Arbeiten oder Alterung des Materials der Auslöser sein

WKZ: Mir scheint, das ist ein relativ neues Phänomen - hat das etwas damit zu tun, dass in modernen Autos viel mehr Technik steckt als früher; ist die Brandgefahr dadurch höher als bei alten Autos?

Kfz-Innung: Dass in modernen Autos mehr Technik und mehr Stromverbraucher stecken, ist richtig. Dass dadurch die Brandgefahr steigt nicht. Die Elektrik eines neuen Pkw ist auf den Bedarf des Fahrzeuges ausgelegt, und hat die Kapazitäten für eine Sitzheizung zum Beispiel auch dann, wenn die Sitzheizung gar nicht bestellt wird. Außerdem gibt es in neueren Fahrzeugen verschiedener Hersteller auch Feuerschutzsysteme, die bei einem Unfall automatisch die Treibstoffzufuhr unterbrechen.

WKZ: Wie verhält man sich als Autofahrer richtig, wenn es plötzlich aus dem Motorraum zu qualmen beginnt? Wie groß ist die Gefahr, dass es zu einer Explosion kommt?

Kfz-Innung: An sicherer Stelle anhalten. Fahrzeug verlassen. Feuerwehr rufen. Unfallstelle absichern. Wahrscheinlich ist es auch am besten, gar nicht erst die Motorhaube zu öffnen, denn das kann über zusätzlichen Sauerstoff ein Feuer verstärken. Ein Fahrzeugbrand kann nur im allerersten Moment mit Bordmitteln bekämpft werden. Brandschutzdecken nutzen dabei nichts, weil die das Feuer nicht komplett einschließen, also an irgendeiner Stelle immer noch Sauerstoff ans Feuer kommt. Feuerlöscher helfen dann, wenn der Brandherd noch klein ist oder wenn Personen gerettet werden müssen. Geht es nur um das Auto, ist es am besten, sich möglichst fernzuhalten bis die Feuerwehr kommt. Der Wagen ist so oder so ein Totalschaden, für den die Teilkasko oder Vollkasko einspringen muss. Spektakuläre Explosionen, wie sie aus Filmen bekannt sind, sind Filmgags. Die Sicherheitsvorschriften verlangen Tanks und Systeme, bei denen Treibstoff abbrennt, nicht explodiert. Trotzdem gilt auch hier: Abstand halten und die Feuerwehr machen lassen. Die sind Spezialisten, die kennen sich aus.

Am besten ist es immer noch, Brände zu verhindern. Dazu tragen Inspektionen und regelmäßige Wartung in unseren Fachwerkstätten und ein aufmerksamer Besitzer bei. Die Fachwerkstatt kann Verschleiß vorbeugen und Defekte erkennen. Der Innungsbetrieb hat einen besonderen Ansporn, qualitativ hochwertige Arbeit zu liefern, weil die Qualität über die Schiedsstelle kontrolliert wird. Vereinfacht ausgedrückt, wäre unsachgemäße Arbeit einer Werkstatt schuld an einem Brand, müsste die Werkstatt dafür geradestehen. Der Mensch sollte merken, wenn Benzin- oder Ölflecken auf dem Parkplatz sind, das ist ein Warnsignal. Basteleien an der elektrischen Anlage sollten generell tabu sein. Das Risiko für einen Autobrand steigt mit dem Alter des Autos und dem Einbau von Zusatzteilen. Bei älteren Modellen kann es durchaus sein, dass die nicht auf den Einbau einer Hammer-Stereoanlage ausgelegt sind. In diesem Fall heißt der Rat, mindestens einen zu fragen, der sich auskennt. Und generell gilt: Autos, die technisch in Ordnung sind, brennen nicht.


 
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