Kraftfahrzeugbetriebe als Spezialisten: Oldtimer brauchen Herz und Fachwissen

08.06.2017
Retro Classic meets Barock 17. – 18. Juni 2017

Die Oldtimer werden immer mehr: In der Region Stuttgart gilt das in des Satzes mehrfacher Bedeutung: Immer mehr Auto über 30, immer mehr Menschen über 60 und immer mehr Kraftfahrtfahrzeugmechaniker kurz vor 65, die demnächst aus dem Berufsleben aussteigen.

„Drei Dinge, die wir als Kraftfahrzeuginnung der Region Stuttgart unter einen Hut bringen und wobei wir uns freuen mit der Retro Classics GmbH und deren Geschäftsführer Karl Ulrich Herrmann einen Partner gefunden zu haben, der uns unterstützt. Oder besser, mit dem wir uns die Bälle auf einem ganz besonderen Feld zuspielen können“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. „Rund 20.000 Autos über 30 allein in der Region Stuttgart sind ein Markt, der ein lukratives Geschäftsfeld ist, klar. Aber ein Geschäftsfeld, bei dem die Kfz-Betriebe mit vollen Herzen dabei sein müssen und mit dem notwendigenFachwissen.“ Für dieses Fachwissen sorgt eine spezielle Ausbildung jungerKfz-Mechatroniker und auf der „Retro Classics meets Barock 2017“ lässt sich das gleich in der Praxisanwendung sehen: „Unsere Azubi-Jury bewertet die teilnehmendenFahrzeuge und vergeben eine „Tiara“. Für diese Krone zählen auch dieAlltagstauglichkeit, die Reparaturfreundlichkeit und der Flirtfaktor der Fahrzeuge. Unsere angehenden Kfz- Mechatroniker mit der Zusatzausbildung Old- und Youngtimertechnik können dabei im Rahmen dieses Auswahlverfahrens gleich ihr Wissen in der Praxis anwenden.“

 Zweistellige Zuwächse sind im Oldtimermarkt in den letzten Jahren an der Tagesordnung: Zu den aktuell rund 20.000 Oldtimern in der Region Stuttgart, kommen nochmal rund 60.000 Youngtimer, Tendenz weiter steigend“, sagte Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart bei der Eröffnungspressekonferenz der Retro Classics meets Barock in Ludwigsburg.

Youngtimer sind Autos zwischen 20 und 29, die in absehbarer Zeit ihren 30. Geburtstag erreicht haben. Von da an ist das Auto ein Oldtimer und kann das H-Kennzeichen bekommen.

Das Herz der Fans schlägt dabei bevorzugt für den Stern: Regional führt Mercedes führt mit 28 Prozent die Oldtimerstatistik in und um Stuttgart an. VW kommt insbesondere dank der Käfer- und Bully-Fans auf 20 Prozent, Porsche auf sieben, Opel auf fünf Prozent. Die übrigen 40 Prozent verteilen sich auf andere Marken. „Aber eines verbindet alle“, sagt Torsten Treiber: „Egal, ob Männer oder Frauen, alle bekommen glänzende Augen wenn sie Oldtimer sehen. Das sind echte Traumwagen.“

Traumwagen, für die es auch den entsprechenden Service geben muss, denn einen Vergasermotor und einen Einspritzer trennen Welten. „Schummelsoftware für die Motorsteuerung ist in der Oldtimerwelt eine Unbekannte“, sagt Torsten Treiber. „Die Einstellmöglichkeiten erfordern da noch Handarbeit.“ Diese Handarbeit ist Thema bei einer speziellen Ausbildungsstufe, die inzwischen in der Region angeboten wird „Oldtimerfachmann oder -frau ist bei uns Thema für die Ausbildung und Gegenstand eines Modellprojektes in der Region Stuttgart.

Seit September 2014 werden unsere jungen Kraftfahrzeugmechatronikerinnen und -mechatroniker in Ludwigsburg mit rund 100 Schülern und in Backnang mit 30 Schülern in guter, alter Technik zusätzlich qualifiziert. Neu dazugekommen ist die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Nürtingen, mit ebenfalls 30 Azubis in der Oldtimer-Zusatzausbildung.

Die notwendigen Kenntnisse werden während der 3,5-jährigen Ausbildung an der Berufsschule und in überbetrieblichen Lehrgängen ausbildungsbegleitend vermittelt“ fasst der Obermeister den Stand der Dinge zusammen. „„Die Innung tut das mit Leidenschaft und Erfolg, weil ihr die Oldtimer am Herzen liegen“.

Aus dem Potenzial von inzwischen schon rund 300 neuen Fachkräften schöpfen insbesondere die Fachbetriebe, die sich auf das Geschäftsfeld spezialisieren: Wer sich als Innungsbetrieb auf Oldtimer konzentriert, ist leicht zu erkennen. Nach der Zertifizierung durch die Innung darf der Betrieb zum Meisterschild der Innung ein Zusatzschild "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" montieren. Was unter anderem bedeutet, dass die Schiedsstelle angerufen werden kann, wenn es mal Uneinigkeit über die Qualität der Arbeit gibt. Zwanzig dieser Spezialbetriebe gibt es derzeit in der Region, acht mehr als noch vor einem Jahr. „Eine erfolgreiche Entwicklung, Tendenz weiter steigend“, sagt Torsten Treiber.

Ein wichtiger Baustein dieses Erfolgs ist seinen Worten nach die Zusammenarbeit mit der Retro Classics GmbH, „Karl Ulrich Herrmann mit der Retro Classics ist ein Partner, wie man ihn sich nur wünschen kann.“ Die Innung ist mit ihren Betrieben und Dienstleistungen rund um Oldtimer deswegen mit einem eigenen Stand auf der Messe präsent. Die Frühjahrslossprechungsfeier hat inzwischen ihren festen Platz in Halle 1 während der Messetage. „Umgeben von Autos der Vergangenheit tun hier jedes Frühjahr rund 250 junge Kraftfahrzeugmechatronikerinnen und -mechatroniker einen entscheidenden Schritt in die Zukunft und zusammen mit Eltern, Freunden, Verwandten und Bekannten füllen rund 1.000 Menschen am Abend den Veranstaltungspunkt mitten in der Halle, ein beeindruckendes Bild“, schwärmt Obermeister Torsten Treiber.

Bei der Retro Classics meets Barock wurde ein anderer Weg gefunden, um die jungen Kfz-Mechatroniker und die historischen Autos zusammenzubringen: Die „Tiara“, als Sonderpreis des Kfz-Technikerhandwerks. Letztes Jahr gewann ein „wunderschöner roter Fiat Dino Spider“ (Torsten Treiber) diesen Preis. Der Gewinner 2017 wird von den Azubis mit Unterstützung durch deren Berufsschullehrer von der Wilhelm-Maybach-Schule Stuttgart, Gottfried Weitbrecht, der Gewerblichen Schule Backnang, Heribert Gantner, der Carl-Schaefer-Schule Ludwigsburg, AndreasKöhler und der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule, Friedemann Högerle, sowie dem Innungsspezialisten für historische Fahrzeuge Wilhelm Supper gekürt. „Das Besondere daran ist, dass bei dieser Bewertung das Auto nicht nur mit den Augen des Technikers gesehen, sondern auch mit dem Herz des Liebhabers bewertet wird. Denn ein Gefühl für diese schönen Autos zu bekommen, gehört bei uns mit zur Ausbildung.“


 
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