Kraftfahrzeuginnung: Reifen sind Sicherheitszubehör

12.04.2018

Kurz und gut: Mit dem richtigen Reifen sind zehn Meter weniger Bremsweg drin

Kürzer ist besser: Wenn’s um den fälligen Wechsel auf die Sommerreifen geht, ist das oberstes Prinzip. Um zehn Meter unterscheidet sich in Tests diverser Testorganisationen der Bremsweg bei den besten und den schlechtesten Reifen. „Zehn Meter sind zwei Autos“, sagt Frank Schnierle, Esslinger Kreisvorsitzender der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Oder kürzer: Wo das eine Auto steht, schiebt das andere noch zwei Vorderleute zusammen, knallt der Airbag, verhindern die Sicherheitssysteme hoffentlich Schlimmeres.

Reifen ist nicht gleich Reifen und je jünger das Auto desto präziser muss der Wechsel sein. Reifen, sagt Frank Schnierle, „sind heutzutage Hightech-Produkte, die müssen zum Auto passen.“ Wer jetzt denkt: Passt scho, mein Reifensatz vom letzten Sommer liegt ja im Reifenlager im Autohaus. Es gibt da noch einen klitzekleinen Haken: Reifen werden auch schlechter, der Zahn der Zeit und der Asphalt an ihnen nagt. Wenn das Profil noch drei Millimeter hat, wird der Bremsweg um zehn Meter länger, wenn’s nur noch 1,6 Millimeter sind, was gesetzlich zulässig wäre, kommen weitere neun Meter dazu, hat der ADAC gemessen. 19 Meter sind umgerechnet rund vier Autos: „Da muss sich jeder selber fragen, ob er tatsächlich bei 80 auf regennasser Fahrbahn vier Autos Abstand hält“, sagt Frank Schnierle und beantwortet sich die Frage gleich selber: „Geht bei dem dichten Verkehr ja gar nicht.“

Kann aber auch sein, dass selbst bei einem Top-Profil der entscheidende Meter fehlt. Wenn der Druck im Reifen nicht stimmt. Auch das beeinflusst Fahrverhalten und Bremsweg. 2012 begann deshalb die Einführung von Reifendruckkontrollsystemen, seit 1. November 2014 sind sie EU-weit für alle neuen Pkw und Wohnmobile Pflicht. Was heißt das? Frank Schnierle: „Mit RDKS ist die Sicherheit höher geworden, der Anspruch an einen fachgerechten Räder- oder Reifenwechsel aber auch. Egal, ob ein Reifen ersetzt werden muss oder alle, das sollte auf alle Fälle die Fachwerkstatt machen.“ Die kennt auch die Feinheiten: „Es gibt Reifen, die holen ein bisschen mehr Sicherheit raus, weil sie nur noch in einer Richtung rollen dürfen.

Der Rat, lass‘ das mal die Werkstatt machen, wird dringender je jünger das Auto ist: „Reifenwechsel 2018 ist nichts mehr für Autobastler, es sei denn sie fahren ältere Autos.“ Und selbst da „sollte sich das keiner antun.“ Der Fachmann sieht beim Räderwechsel auch, ob’s Beschädigungen gibt und vor allem der Fachbetrieb wuchtet die Räder aus.“

Unwucht ist das Flattern am Lenkrad, das zu Nervenflattern bei Autofahrer und -fahrerin führen kann. Das kann noch einen anderen Grund haben: mangelndes Drehmoment. Das hat nichts damit zu tun, wie sich das Rad im Moment bei der Fahrt dreht. Sondern damit, ob der Reifenwechsler vorschriftsmäßig an den Radbolzen gedreht hat. Da gibt’s Unterschiede: „Wir haben die A-Klasse 168, da ist das Drehmoment 110 Newtonmeter vorgeschrieben, und die A-Klasse 169, da sind es 130 Newtonmeter.“ Klar stehen Drehmomenttabellen im Internet, sagt Frank Schnierle „aber wenn einer die Räder montiert, der das täglich mit dem optimalen Werkzeug macht, ist das wie eine Lebensversicherung, denn wenn sich ein Rad löst, wird’s übel.“



 
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