Schadstoffwerte sinken dank Neuwagen weiter, aber Nachrüstung brächte zusätzliche Verringerung

21.06.2018

Bundesweit sanken die Zulassungszahlen neuer Pkw im Mai um 5,8 Prozent. In der Region Stuttgart betrug das Minus 4,5 Prozent, in Stuttgart sogar nur 1,8 Prozent. In den Kreisen liegen die Werte zwischen plus 6,6 Prozent im Kreis Esslingen und minus 12,3 Prozent im Kreis Ludwigsburg. „Wieder ein Monat ohne konkrete Aussagen in Sachen Fahrverbote und Dieselnachrüstung hat vor allem den Dieseln zugesetzt“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart: „Bei Neuzulassungen und Besitzumschreibungen ist die Dieselnachfrage jetzt deutlich gesunken.“ In Stuttgart um 21,9 Prozent bei neuen Dieseln und um 17,5 Prozent bei gebrauchten. Parallel verschwanden insgesamt fast 7.800 Diesel-Pkw aus dem Bestand. Der liegt in der Stadt jetzt noch knapp über 100.000, in der Region bei nicht ganz 519.000 (minus rund 14.800). „Dass über die Hälfte des Bestandsrückgangs bei Dieseln in der Region in Stuttgart zu verzeichnen ist, ist ein Trend, den wir jetzt schon seit Monaten beobachten“, sagt der Kreisvorsitzende Roger Schäufele. Unterm Strich profitiert die Stadt von jedem ausgetauschten Pkw: „Die NOx-Werte sinken kontinuierlich“, verweist Torsten Treiber auf LUBW-Messungen: „Zwischen 2016 und heute sank der NO2-Wert Am Neckartor um fast 19 Mikrogramm, ganz ohne Fahrverbote.“ Die Innung plädiert deswegen für ein Förderprogramm des Bundes für eine freiwillige Dieselnachrüstung, um diese Entwicklung weiter zu verstärken.

Es ist nicht so, dass in der Region Stuttgart keine Diesel mehr verkauft werden: Die Zulassungsstelle der Stadt Stuttgart und der Landratsämter haben im Mai 15.596 Pkw notiert, die Firmen und Privatleute neuzugelassen haben (minus 731 gleich minus 4,5 Prozent / Bund minus 5,8 Prozent). Davon waren 4.788 neue Diesel (Anteil: 30,7 Prozent / Bund: 31,3 Prozent). Die Zahl der Diesel-Neuzulassungen ging damit um 1.104 oder 18,7 Prozent zurück (Bund: 27,2 Prozent). Benziner und andere Antriebsarten konnten dabei den Rückgang bei den Dieseln nicht ausgleichen: 373 zusätzliche Neu-Zulassungen sind nur ein Plus von 3,6 Prozent. Macht insgesamt 10.435 Pkw in dieser Gruppe. In denen sind 118 neue Elektroautos und 498 Hybride enthalten. (2017: 110/375). Nach fünf Monaten liegen die Neuzulassungen insgesamt in der Region Stuttgart leicht im Plus: „74.841 Neuzulassungen, sind 1.771 oder 2,4 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr“, rechnet Torsten Treiber zusammen.

Bei den Besitzumschreibungen gab es in der Region Stuttgart im Mai ein Minus von 7,8 Prozent um 1.653 auf 19.624 Pkw. (Bund minus 4,1 Prozent). Die Verluste gingen zum Teil zu Lasten der Diesel (minus 948 Pkw gleich minus 12,1 Prozent). Benziner und andere Antriebsarten verloren um 705 oder 5,2 Prozent. Insgesamt sind nach fünf Monaten 97.435 Besitzumschreibungen zusammengekommen. Das ist ein Minus von 2.424 Pkw oder 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Bei den Dieseln lag der Bestand im Mai bei 518.698 Pkw (Vorjahr 533.540 / minus 14.482 gleich 2,8 Prozent). Elektroautos hatten die Zulassungsstellen insgesamt 4.499 im Bestand (Vorjahr 2.885 / plus 55,9 Prozent). Dazu kommen 8.138 Vollhybride (Vorjahr 6.207 / plus 31,1 Prozent) und 3.807 Plugin-Pkw (Vorjahr 1.910 / plus 99,3 Prozent).

„Die Flottenerneuerung ist weiter in vollen Gange“, zieht Innungsgeschäftsführer Christian Reher das Fazit aus den vorliegenden Zahlen. „Das schlägt sich auch positiv in der Entwicklung der Stickoxid-Messwerte nieder“, verweist er auf die Messwerte, die die Landesanstalt für Umweltschutz (LUBW) seit neuestem veröffentlicht. Nach deren Tabelle sind seit 2016 die Werte an allen Messstationen kontinuierlich gesunken, am stärksten am Neckartor um aktuell rund 19 Mikrogramm: „Das hängt natürlich damit zusammen, dass im gleichen Zeitraum neue Pkw auf die Straße kamen, die in der Regel schadstoffstärkere Modelle ersetzt haben, denn der Bestand ist nur leicht gewachsen. In den letzten zwölf Monaten waren das allein in Stuttgart über 48.000 neue Pkw und in der Region insgesamt 148.000.“

Deswegen, ergänzt Torsten Treiber, „bleiben wir dabei, dass Fahrverbote überflüssig sind, sondern das Ziel mit einer Flottenerneuerung zu erreichen ist, wenn auch andere Emittenten ihren Teil beitragen.“ Der Fahrzeugpark von Stadt und Land beispielsweise, speziell der der SSB. Wenn von 262 Bussen bisher nur zwölf Prozent saubere Motoren hätten, wie die SSB selbst sage, „dann ist das zu wenig in einer Situation, bei der die Frage Fahrverbote oder nicht an jedem Mikrogramm hängt.“ Die Stadt müsse mit gutem Bespiel vorangehen, zumal sie ja Fördermittel bekommen könne. So etwas wünscht sich der Obermeister auch für den privaten Bereich: „Mit einem freiwilligen Nachrüstförderprogramm für Diesel-Pkw, ganz unabhängig von der Frage Schuld und Sühne bei den Herstellern, würde der Nachrüstmarkt ganz sicher Schwung bekommen und es wäre auch für die Hersteller von Nachrüstsätzen attraktiv diese anzubieten. Dass die Nachrüstsätze funktionieren wissen wir, was fehlt ist der Markt und vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen, damit er funktionieren kann.“


 
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