Wandel im Diesel-Bestand der Region: 51.300 ältere Diesel weg, aber 42.000 Euro-6-Diesel dazu

14.05.2018
Kraftfahrzeuginnung: Bessere Luft geht auch ohne Fahrverbote

„Stuttgart steigt um“, was bisher bei Torsten Treiber, dem Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart ein Gefühl war, wird durch die neuesten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes bestätigt: Insgesamt sind nach einer Bestandsanalyse nach Schadstoffklassen des KBA zum 1. Januar 2018 über 51.300 Diesel der Euroklassen 5 abwärts binnen eines Jahres aus dem Fahrzeugbeständen in der Region Stuttgart verschwunden. Allerdings sind an die Stelle der meisten wieder Diesel getreten: Über 42.000 Euro-6-Diesel sind regionsweit neu oder gebraucht in Dienst gestellt worden. Speziell in Stuttgart zählt das KBA zum 1. Januar 2018 rund 4.500 Diesel weniger, aber 10.300 Euro-6-Diesel mehr. Das heißt der Stuttgarter Bestand ist deutlich moderner geworden. Außerdem nahm der Bestand bei Benzinern und andere Antriebsarten um fast 6.600 zu. Fahrverbote sind damit aus Sicht der Innung überflüssig. Sie fordert vielmehr eine gleichmäßige Verteilung der Lasten bei der Luftreinhaltung in Stuttgart. „Der Verkehr ist nur für die Hälfte des Stickoxidausstosses verantwortlich“, wiederholt Obermeister Torsten Treiber „und bei den Pkw sorgen schon die Flottenerneuerung und die umsteigenden Autofahrer dafür, dass immer mehr schadstoffarme Pkw eingesetzt werden. Die haben also schon deutlich vorgelegt.“

Stuttgart: Seit 2017 rund 9.000 Euro-5-Diesel weniger

Bei den umstrittenen Euro-5-Dieseln gab es im letzten Jahr In Stuttgart einen Rückgang von fast 9.000 Pkw im Bestand. Für die verbliebenen nicht ganz 32.000 Fahrzeuge sieht die Innung die Politik und die Hersteller in der Pflicht Nachrüstungsmöglichkeiten anzubieten, die auch diesen Pkw Fahrverbote ersparen. Für Menschen mit den rund 17.000 Pkw (3.000 weniger als vor einem Jahr), die die Euro-4-Norm erfüllen, würde das vom Verkehrsministerium laut Stuttgarter Nachrichten unumgängliche Fahrverbot dagegen schon im September greifen. Hier fordert die Innung „sozialverträgliche Lösungen, denn die Besitzer dieser Diesel sind nicht unbedingt Menschen mit hohem Einkommen.“

BB: 6.100 neue Diesel

Im Kreis Böblingen stehen rund 7.200 Dieselabgängen knapp 6.100 Zugänge gegenüber. Wer auf den Diesel verzichtete, griff selten zum Elektroauto sondern vor allem zum Benziner: Die wuchsen um über 4.100. Im Kreis Böblingen gab es bei den Euro-5-Dieseln einen Rückgang von über 2.800 Pkw im Bestand. Blieben zum Jahresanfang rund 28.000 Fahrzeuge übrig. Dazu kommen rund 16.000 Diesel-Pkw (2.300 weniger als vor einem Jahr) nach Euro-4-Norm.

Der „Straßenverkehr“ ist laut Emissionskataster 2014 der LUBW im Kreis für 63,1 Prozent der NOx-Emissionen verantwortlich. Doch im „Straßenverkehr“ sind nicht nur die Pkw enthalten. Die Pkw allein kommen mit 1.087 Tonnen nur auf etwas mehr als ein Drittel der NOx-Emissionen.

ES: 9.500 alte Diesel weniger

Rund 9.500 Dieselabgängen stehen im Kreis Esslingen knapp 8.400 Zugänge gegenüber. Benziner wuchsen um rund 5.300. Bei den Euro-5-Dieseln gab es in zwölf Monaten im Kreis Esslingen einen Rückgang von fast 3.900 Pkw im Bestand. Vorhanden waren am 1. Januar 2018 noch rund 38.000 Fahrzeuge. Dazu kommen rund 22.000 Diesel-Pkw (2.900 weniger als vor einem Jahr) nach Euro-4-Norm.

Der „Straßenverkehr“ ist laut Emissionskataster 2014 der LUBW für 40,2 Prozent der NOx-Emissionen verantwortlich. Alle Pkw zusammen kommen mit 1.205 Tonnen nicht einmal auf ein Viertel der NOx-Emissionen. Die Industrie liegt bei 1.405 Tonnen und der Flugverkehr bei 432 Tonnen.

LB: 9.300 Diesel weg, 7.700 neue dazu

Im Kreis Ludwigsburg stehen rund 9.300 Dieselabgängen knapp 7.700 Zugänge gegenüber. Wer auf den Diesel verzichtete, griff vor allem zum Benziner: Die wuchsen um fast 5.800. Allein bei den umstrittenen Euro-5-Dieseln gab es in zwölf Monaten im Kreis Ludwigsburg einen Rückgang von fast 3.700 Pkw im Bestand. Zu den verbliebenen nicht ganz 37.000 Fahrzeugen kommen rund 21.000 Diesel-Pkw (3.100 weniger als vor einem Jahr), nach Euro-4-Norm. Denen drohen, je nach den kommenden Luftreinhalteplänen eventuell auch in Ludwigsburg Fahrverbote. Die Innung plädiert auch hier für ausgewogene Lastenverteilung: Der „Straßenverkehr“ ist laut Emissionskataster 2014 der LUBW im Kreis für etwas mehr als die Hälfte der NOx-Emissionen verantwortlich. Pkw allein kommen mit 1.117 Tonnen nur auf etwas mehr als ein Viertel der NOx-Emissionen.

Rems-Murr-Kreis: Unterm Strich 900 Diesel weniger

Im Rems-Murr-Kreis stehen rund 6.600 Dieselabgängen rund 5.700 Zugänge gegenüber. Macht ein Minus von rund 900 Dieseln. Deren Ex-Besitzer dürfen zumeist auf Benziner umgestiegen sein: Die wuchsen um rund 4.300. Bei den Euro-5-Dieseln gab es in zwölf Monaten im Rems-Murr-Kreis einen Rückgang von fast 2.300 Pkw im Bestand. Noch im Einsatz sind über 28.000 Fahrzeuge plus rund 18.000 Diesel-Pkw (2.222 weniger als vor einem Jahr) nach Euro-4-Norm. Laut Emissionskataster 2014 der LUBW ist der Straßenverkehr hier für etwas mehr als die Hälfte der NOx-Emissionen verantwortlich. Die Pkw allein kommen mit 731 Tonnen nur auf etwas weniger als ein Drittel der NOx-Emissionen.

Kreis GP: Noch Zuwachs bei den Dieseln

Im Kreis Göppingen stehen rund 3.900 Dieselabgängen 4.054 Zugänge gegenüber. Macht ein Plus von 193 Dieseln. Benziner wuchsen um rund 2.300. Bei den Euro-5-Dieseln gab es in zwölf Monaten im Kreis Göppingen einen Rückgang von über 1.200 Pkw im Bestand. Noch im Einsatz sind über 20.000 Fahrzeuge plus rund 12.000 Diesel-Pkw (1.300 weniger als vor einem Jahr) nach Euro-4-Norm. Laut Emissionskataster 2014 der LUBW ist der Straßenverkehr hier für knapp 56 Prozent der NOx-Emissionen verantwortlich. Die Pkw allein kommen mit 640 Tonnen nur auf weniger als ein Drittel der NOx-Emissionen.

Die Kraftfahrzeuginnung stehe dazu, dass Nachrüstung älterer Diesel geboten sei und dass sogenannte Schummeldiesel der Euro-5-Klasse auf Kosten der Hersteller in den ordnungsgemäßen schadstoffarmen Zustand zu versetzen seien, sagt Obermeister Torsten Treiber mit Blick auf die Bestände an Euro-5- und Euro-4-Diesel in der Region. Sie fordere, dass die Lasten gleichmäßig unter allen verteilt werden, die Stickoxide erzeugen. Der Jahresmittelwert von Stickstoffdioxid zeige 2017 eine positive Tendenz und die sei allein den Autobesitzerinnen und -besitzern in der Region zu verdanken. „Er sank von 82 auf 73 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ich wüsste jetzt auf Anhieb niemand, der sonst dazu beigetragen haben könnte.“ Die Innung fordert deshalb einen Luftreinhalteplan, der alle Stickoxidquellen einbezieht: „Der Verkehr ist nur für die Hälfte des Stickoxidausstosses verantwortlich. Die andere Hälfte stammt nach den eigenen Daten der Regierung aus Landwirtschaft, kleinen und mittleren Feuerungsanlagen, Industrie und anderen „Technischen Einrichtungen“. Schienenverkehr und Schiffsverkehr. Die alle müssen an den Maßnahmen zur Luftreinhaltung entsprechend beteiligt werden“, sagt Torsten Treiber. „Dann ist die Grenzwertunterschreitung bis 2020 locker zu schaffen und das ganz ohne Fahrverbote.“

 

 

 


 
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