Werkstatt-Test: 1,6 Millionen Pkw in der Region, aber nur 0,2 Promille Beschwerdefälle bei der Kfz-Schiedsstelle

25.05.2018
Schiedsstelle der Kfz-Innung bekam 2017 nur 337 Beschwerden

TV-Werkstatt-Tests, Internetbewertungen, der wahre Härtetest für rund 700 Innungsbetriebe in der Region Stuttgart aber heißt Schlichtungsstelle. Dort können sich deren Kunden beschweren, wenn sie mit der Arbeit eines Innungsbetriebes unzufrieden sind. „Sind sie aber fast nie“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. „Nur 337 Beschwerdefälle bei 1,6 Millionen Pkw in der Region sind ein Riesenkompliment für ausgezeichnete Werkstattarbeit.“ Und wenn’s dann doch Ärger gab, konnte die Schlichtungsstelle die meisten Fälle auf dem Gesprächsweg schlichten, ohne dass es einer Entscheidung bedurfte. Allerdings gab es auch 55 Fälle, da konnte sie nur auf den Rechtsweg verweisen: „Da haben sich Kunden einen Betrieb ausgesucht, der nicht in der Innung ist und in diesen Fällen hilft nur der Gang zum Rechtsanwalt.“

Eigentlich ist es ganz einfach: Blau-weißes Meisterschild gleich Mitglied der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Region Stuttgart gleich Verpflichtung, sich einem Richtspruch der Schiedsstelle zu unterwerfen. „Unsere Schiedsstelle ist ein seit Jahrzehnten bewährtes Modell und war in den letzten Jahren Vorbild für die Einführung von Schieds- und Schlichtungsstellen oder Zertifikaten in anderen Branchen“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Sozusagen „Trusted Shops“, wie das jetzt im Internet heißt, gibt hier seit den 70-ern des letzten Jahrhunderts als Internet noch Science Fiction war.

Gerechnet wird dabei nicht in „Daumen hoch“ oder zuweilen auch gefakten Sternchen, sondern in „Daumen runter“, sprich in echten Beschwerden. 337 Kundinnen und Kunden haben sich 2017 an die Schiedsstelle der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart gewandt, weil sie mit ihrer Werkstatt oder ihrem Autohaus und deren Leistungen unzufrieden waren. Im Vorjahr hatte die Zahl der Beschwerden noch bei 338 gelegen. Wobei die Zahl, die Innungsbetriebe betraf, deutlich unter diesem schon niedrigen Wert lag. 55 (Vorjahr 38) Beschwerden liefen bei der Innung ins Leere, „weil der betreffende Betrieb kein Innungsmitglied war.“

Ob dies ein Trend ist, „lässt sich nicht sagen“, sagt Obermeister Torsten Treiber, weil es davon abhänge, wie gut sich ein Autobesitzer auskenne. „Pech für den Kunden ist es allemal, er oder sie hätte darauf achten müssen, dass der Betrieb ein blaues Meisterschild hat.“ Andere Fälle von Nichtzuständigkeit („beispielsweise Garantiefälle“) abgezogen, blieben 203 (Vorjahr 207) echte Streitfälle übrig, von denen 181 (Vorjahr 165) im Vorfeld erledigt werden konnten. 20 (Vorjahr 26) Verfahren laufen noch, entschieden hat die Schiedsstelle 2017 in 19 (Vorjahr 16) Fällen: In fünf Fällen (Vorjahr sieben) gab’s einen Vergleich zwischen Werkstatt und Kunden. In neun Fällen (Vorjahr vier) bekamen die Kunden recht in fünf Fällen (Vorjahr auch fünf) die Werkstatt und „weil in der Kommission Fachleute sitzen und objektiv entscheiden, waren die Fälle damit auch erledigt.“ Theoretisch könnten die fünf zuletzt genannten Kunden immer noch klagen. Aber angesichts der Expertenaussagen haben diese sich das gespart.

Auch ein Zeichen für Qualität. Denn „die Schiedsstelle wurde zum Vorbild für andere, weil es hier um höchste Objektivität geht“, sagt Christian Reher: „Die Schiedskommission steht unter der Leitung eines zum Richteramt befähigten Vorsitzenden. Ihr gehören ein Vertreter des ADAC, ein öffentlich bestellter und vereidigter Kfz-Sachverständiger der Deutschen Automobil Treuhand, ein Sachverständiger des TÜV SÜD und nur ein Innungsvertreter an.“ Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst die Stadt Stuttgart und die Kreise des Innungsgebietes in der Region Stuttgart. Die notwendigen Anträge lassen sich problemlos von der Innungsseite herunterladen (https://www.kfz-innung-stuttgart.de/schiedsstelle/).

Gegliedert wird nach Werkstätten und Autohandel: In den meisten Fällen ging es 2017 bei der Werkstatt um die Frage, ob ein Auftrag erteilt worden ist oder ob Arbeiten unsachgemäß ausgeführt worden sind. Beim Autohandel geht’s meistens um die Frage, ob ein Gebrauchtwagen beim Verkauf technische Mängel hatte. Es könnte hier auch um manipulierte Tachos gehen. Torsten Treiber: „Das Thema tauchte aber 2017 gar nicht auf, obwohl ja angeblich jeder dritte Gebrauchtwagen manipuliert sein soll. Sagen wir mal so; Innungsbetriebe haben sowas offensichtlich nicht im Angebot.“


 
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