Corona-Crashs bei Pkw-Zulassungen halten Kfz-Betriebe nicht mehr oft aus

07.05.2020
Kraftfahrzeuginnung: Pkw-Zulassungen erneut in den Keller gerauscht

„Schlimmer geht’s fast nimmer“, sagt Obermeister Torsten Treiber angesichts von 5.605 PKW-Neuzulassungen in der Region Stuttgart im April. Das ist ein Minus von 69 Prozent nach 42,6 Prozent im März. „An der Börse nennt man sowas Crash und solche Crashs halten unsere Betriebe nicht mehr oft aus,“ sagt der Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Verschärft wird die Entwicklung durch das Minus bei den Besitzumschreibungen von Gebrauchtwagen: 11.2597 haben die Zulassungsstellen der Stadt Stuttgart und der Landratsämter vorgenommen. Das ist ein Minus von 46,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Stuttgart selber lag das Minus bei 66,6 Prozent (neue Pkw) und 49,7 Prozent (Besitzumschreibungen). Da erfreut es die Betriebe gar nicht, wenn aus Berlin die Kunde kommt, „dass an der Staatshilfe noch bis Juni gebastelt wird“, sagt Christian Reher, der Geschäftsführer der Innung: „Jetzt besteht die Gefahr, dass trotz offener Autohäuser und einem breiten Angebot niemand ein Auto kauft, weil alle auf Prämien spekulieren.“ Die Kaufanreize werden aus Sicht der Innung auch dringend gebraucht: „Als Autohandel brauchen wir eine Umstiegsprämie, die auch Tageszulassungen und junge Gebrauchte miteinbezieht“, sagen Christian Reher und Torsten Treiber und räumen ein, „da besteht ein Konflikt mit den Herstellern.“

Der März war in Stuttgart schlecht. Der April ist bei den Neuwagen noch schlechter. Die beiden Monate sind in etwa vergleichbar, wenn es um die Coronafolgen geht, sagt Roger Schäufele, der Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart: „Realer Autohandel war jeweils etwa die Hälfte des Monats untersagt und Online-Angebote haben das nicht auffangen können.“ In Zahlen: Die Neuzulassungen rauschen nach unten: 2.570 Pkw-Neuzulassungen meldet die Zulassungsstelle der Stadt für März 2020. Das war ein Minus von 3.233 Pkw oder 55,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im April waren es nur noch 1.928 Pkw-Neuzulassungen. Das ist ein Minus von 3.848 Pkw oder 66,6 Prozent. „Schlimmer als im Bundesdurchschnitt“, sagt Roger Schäufele: „Da beträgt das Minus 61,1 Prozent.

Besitzumschreibungen gab es im März 1.850. Das war ein Minus von 2.162 Pkw oder 53,9 Prozent. Im April lag die Zahl bei 1.991 Halterwechseln. Das ist ein Minus von 1.969 Pkw oder 49,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Bund minus 44,4 Prozent).

Die Folgen lassen sich auch in Geld ausdrücken. „Wenn ein Neuwagen im Schnitt 30.000 Euro kostet, sind 7.000 im März und April nicht verkaufte Neu-Pkw allein rund 212 Millionen Euro, die den Autohäusern in der Stadt an Liquidität, sprich Geld in der Kasse fehlen“, rechnet Torsten Treiber vor. Was dadurch verschärft wird, dass die Autos, die davon schon in den Autohäusern stehen, meist kreditfinanziert sind, also Zinskosten verursachen. Das gilt, wenn auch in anderen Größenordnungen, auch bei den Gebrauchten: „4.100 Besitzumschreibungen weniger, dürften die Betriebe zwischen 25 bis 30 Millionen an Liquidität kosten, denn über die Autohäuser werden ja die hochwertigen Gebrauchten verkauft.“

Von der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten hätte sich das Kfz-Gewerbe in der Region einen Konjunkturschub gewünscht. Jetzt droht im Mai weiter Ebbe, weil eventuelle Prämien im Juni die Kauflust hemmen. Deswegen heißt die Forderung, des Kfz-Gewerbes, dass Prämien rückwirkend gelten sollen. Aber nicht nur das, dem Gewerbe schwebt ein anderes Modell vor als den Herstellern: „Wir haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gebeten, sich für eine Umstiegsprämie einzusetzen“, sagt Christian Reher: „Gefördert werden soll jeder, der durch den Wechsel auf ein neueres, schadstoffärmeres Modell die Umwelt entlastet.“ Damit könnten alle Menschen, insbesondere auch die mit kleineren Einkommen, in den Genuss einer staatlichen Förderung kommen. Vorgeschlagen werden Förderbeträge zwischen 4.000 und 2.000 Euro, die bei steigendem Preis des Autos abnehmen. Für Gebrauchtwagen soll der maximale Zuschuss 2.500 Euro betragen. Maßgeblich für die Gewährung der Umstiegsprämie solle der Nachweis sein, dass ein beim Händler abgegebenes Fahrzeug einen höheren CO2-Wert pro km hat als das gekaufte Fahrzeug, „also auch der Klimaschutz berücksichtigt wird.“ Außerdem sei es wichtig, dass „eine Prämie mit der Bedingung verknüpft wird, dass die Hersteller zusagen müssen, ihre derzeitigen Neu-Fahrzeugpreise nicht mit Beginn einer solchen Aktion erhöhen, um die Prämie abzuschöpfen.“

Bei dem Modell Umstiegsprämie könnten auch Tageszulassungen und junge Gebrauchtfahrzeuge in die Förderung einbezogen werden, „die sich ja vor allem bei Privatkäufern hoher Beliebtheit erfreuen, weil der große Wertverlust bei Neufahrzeugen schon rausgerechnet ist“, sagt Torsten Treiber. Zur Kritik am Prämienmodell, das die Industrie vorgelegt habe, gehöre, dass zu wenige Menschen in den Genuss einer Prämie kommen: „Nur ein Drittel der Bevölkerung könne sich überhaupt ein neues Auto leisten, hat Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet“, sagt Torsten Treiber, „und solange die Wirtschaft noch nicht wieder auf vollen Touren läuft, werden es noch ein paar weniger sein. Da ist es wichtig, von staatlicher Seite passende Angebote zu machen. Denn eines darf auch nicht vergessen werden. Jedes verkaufte Auto bringt dem Staat auch wieder Mehrwertsteuer in die Kasse. Und unerschöpflich ist die ohne Steuereinnahmen ja nicht.“


 
Home » Nachrichten » Corona-Crashs bei Pkw-Zulassungen halten Kfz-Betriebe nicht mehr oft aus
Durch das Anklicken des Buttons "Ich stimme zu" erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies und der Datenverarbeitung durch die Webanalyse Piwik einverstanden. Detaillierte Informationen erhalten Sie unter Datenschutz.
Ich stimme zu