Der erste Mercedes-Euro-5-Diesel in der Region hat einen SCR-Nachrüstsatz drin

27.11.2019
Regierungspräsident Wolfgang Reimer hofft auf viele Nachrüstungen

Start der Dieselnachrüstung: Auf dem Tisch liegt der komplette Einbausatz. Dritter von rechts Regierungspräsident Wolfgang Reimer, links neben ihm Innungsgeschäftsführer Christian Reher, es folgen Dr. Martin Pley, Geschäftsführer der Dr. Pley SCR Technology GmbH, Frank Schnierle, Geschäftsführer des Autohauses Jesinger und Thomas Steinbrückner (Pley); rechts außen Rafael Treite (InnungTV) und neben ihm Jochen Fischer, Werkstattleiter PKW im Autohaus Jesinger. Bild: Kfz-Innung Region Stuttgart.

Im Kreis Esslingen fährt jetzt der erste Euro-5-Mercedes-Diesel mit Hardware-Nachrüstung. Bei der Nachrüstung im Autohaus Jesinger mit dabei war der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer. Reimer hofft auf große Nachfrage der endlich in Gang gekommenen Möglichkeit zur Handware-Nachrüstung: „Wir brauchen dringend die Hardware-Nachrüstung, weil Softwareupdates alleine nicht ausreichen.“ Reimer betonte, dass die Nachrüstungen den Ausstoß von Stickstoffoxiden (NOx) bei Dieselfahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 5 deutlich reduzieren und daher von großer Bedeutung sind.

Ab 1. Januar 2020 gilt ein Verkehrsverbot auf einzelnen Streckenabschnitten für PKW mit Dieselmotor unterhalb der Abgasnorm Euro 6. Die 10-Monats-Mittelwerte für Stickstoffdioxid (NO2) zeigen eine positive Entwicklung, so Reimer. „Wir müssen dennoch eine 5. Fortschreibung vorbereiten, um dem letztinstanzlichen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Rechnung zu tragen. Der Entwurf wird noch im Dezember 2019 öffentlich ausgelegt“, erklärte der Regierungspräsident. Dieser sieht ein mögliches zonales Verkehrsverbot für Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren unterhalb der Abgasnorm Euro 6/VI vor. „Wenn die Entwicklung der Immissionssituation bis 30. April 2020 die Prognose zulässt, dass die Einhaltung des Grenzwertes für das Jahr 2020 gewährleistet wird, tritt das zonale Verkehrsverbot nicht in Kraft“, so Reimer. Wer sein Fahrzeug nachgerüstet hat, muss sich darüber keine Sorgen machen, versichert der Regierungspräsident.

Das gilt auch für die Technik, versichern Frank Schnierle, Geschäftsführer des Autohauses Jesinger und Dr. Martin Pley, dessen Firma die Nachrüstsysteme herstellt: „Nach der Gewährleistung gibt es eine Anschlussgarantie, die im Einbaupaket enthalten ist. Die gilt drei Jahre oder 100.000 Kilometer“, sagt Frank Schnierle. Christian Reher, Geschäftsführer der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, erneuerte bei der Einbaupremiere die Forderung der Innung, den Kreis der Zuschussberechtigten über eine staatliche Förderung auf alle Euro-5-Diesel auszuweiten: „Das darf nicht nur auf gewissen Schwerpunktregionen beschränkt werden.“ Außerdem müssten auch Händler, die Euro-5-Pkw hätten, in die Förderung einbezogen werden.

Mercedes C-Klasse-Kombi, Baujahr 2011, der Kunde des Autohauses Jesinger, der nach der Nachrüstung sein Auto wieder abholen konnte, hat einen nagelneuen Nachrüstsatz der Firma Dr. Pley drin. Benutzt werden für die Nachrüstung „die Bauteile eines klassischen SCR-Systems, das auch in Euro-6-Temp-Fahrzeugen eingesetzt wird“, sagt Dr. Martin Pley. Die Nachrüstung wird in die Fahrzeugpapiere eingetragen und befreit dauerhaft von Fahrverboten.

Das bestätigt Regierungspräsident Wolfgang Reimer, der sich im Autohaus Jesinger unter der Hebebühne anschaute, wie der Einbau eines Nachrüstsatzes abläuft. Er bezieht sich dabei nicht nur auf die privaten Pkw, sondern auch auf Kommunal- und Handwerker- und Lieferfahrzeuge, für die es eine spezielle staatliche Förderung gibt. Reimers Behörde ist für die Luftreinhaltepläne im Regierungsbezirk Stuttgart zuständig. Und je nachdem, wie sich die Schadstoffwerte in Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Heilbronn und anderen Städten im Regierungsbezirk entwickeln, sind Fahrverbote ein Thema. Außer ein Pkw ist nachgerüstet, „dann ist er dauerhaft vom Fahrverbot befreit.“

Rund 21.000 Euro-5-Diesel-Pkw gibt es derzeit noch in Stuttgart, sagt die Zulassungsstelle der Stadt. In der Region Stuttgart insgesamt dürften es noch über 150.000 sein, wenn die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zugrunde gelegt werden. Nachrüstsätze von Dr. Pley sind jetzt für Fahrzeuge der Hersteller Daimler, BMW und Volvo verfügbar. Allerdings noch nicht für alle Dieselmotoren dieser Hersteller. „Das Besondere dabei ist, dass die BMW-Fahrzeuge von unseren Daimler-Einbaupartnern nachgerüstet werden, weil BMW sich ja unheimlich gegen die Nachrüstung wehrt“, sagt Dr. Marin Pley. Wer einen BMW hat, muss die Kosten von 3.540 Euro deswegen alleine tragen, während Mercedes zugesagt hat, sich bis zu 3.000 Euro an den Einbaukosten zu beteiligen. Allerdings ist die Prozedur nicht ganz einfach: Der Mercedes muss auf der Internetseite www.hw-zuschuss.daimler.com angemeldet werden und seit dem 2. Oktober 2018 auf den Antragstellenden zugelassen sein.

Aus Sicht von Innungsgeschäftsführer Christian Reher und der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart sind die Abläufe „momentan viel zu kompliziert“. Zumal ja beispielsweise für VW andere Anbieter, wie Baumot ins Spiel kommen, die ebenfalls Nachrüstsätze angekündigt haben. Er rät „allen Interessenten, sich in den Innungsbetrieben in Sachen Nachrüstung zu erkundigen“. Voraussetzung für den Einbau von Nachrüstsätzen sei, dass die betreffende Werkstatt zur Abnahme der AU berechtigt ist.

Das Interesse an der Nachrüstung ist da, sagt Frank Schnierle, der nicht nur Geschäftsführer des Autohauses Jesinger, sondern auch stellvertretender Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart ist. „Wir haben sehr viele Anfragen von Kunden bekommen.“ In den nächsten Wochen werde sich zeigen, in wie viele echte Aufträge sich das Interesse wandelt: „Bei uns kann es ab sofort mit der Nachrüstung losgehen.“

Das Kernargument, dass der Euro-5-Diesel damit bundesweit wieder ohne Einschränkung einsatzfähig ist, zieht dabei nicht nur für Privatkunden. Nachrüstung würde auch den Wert der Euro-5-Diesel steigern, die als Leasingfahrzeuge in die Autohäuser zurückkommen oder noch auf den Höfen der Händler stehen. „Wir müssen klar sagen, dass momentan unsere Mitgliedsbetriebe benachteiligt sind, weil für sie keine Zuschüsse fließen. Und wir müssen auch sagen, dass momentan günstigstenfalls die Hälfte der Euro-5-Diesel in der Region nachgerüstet werden können, weil es für sie Nachrüstsätze gibt. Beides ist verbesserungsfähig“, sagt Obermeister Torsten Treiber: „Hier muss der Staat schleunigst mit einer Nachrüstprämie für alle eingreifen.“ 

https://www.youtube.com/watch?v=YuzqjlBOQ0k

Hardware-Nachrüstung schützt dauerhaft vor Fahrverboten


 
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