Die 27.000 Oldtimer von heute werden mit E-Fuels morgen klimaneutral

24.02.2020
Kraftfahrzeuginnung: Bestand wächst zweistellig

Der Oldtimer von heute mit Elektromotor ausrüsten? „Kann man machen, sollte man aber nicht“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Zumindest dann nicht, wenn der Oldtimer ein Oldtimer mit H-Kennzeichen bleiben soll: Über 27.000 Fahrzeuge in der Region Stuttgart tragen dieses Kennzeichen. Sprich, sie haben ein Oldtimergutachten bestanden, das den Originalzustand bescheinigt. Die 27.000 waren zum Jahresanfang 2020 neuer Rekord in der Region. Die meisten sind Pkw: 23.343 melden die Zulassungsstellen. Auch das ist neuer Rekord. Torsten Treiber wundert das nicht: „Jeder hat einen Traumwagen, bei dem einen sind es berühmte Fahrzeuge, bei den anderen schlicht das Auto, in dem der erste Kuss stattfand, oder das erste Auto vom eigenen Geld.“ Apropos Geld: „Oldtimer sind definitiv auch eine Geldanlage“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. „Und am wertvollsten ist das Auto im Originalzustand.“ Ganz abgesehen davon, „dass Oldtimer Ausnahmereglungen in Fahrverbotszonen genießen, die Fahrverbots- und Umweltzonen in zehn Jahren alle wieder aufgehoben sind und selbst Verbrennermotoren mit 100 Jahren und mehr mit E-Fuels, sprich synthetischen Kraftstoffen, sogar klimaneutral gemacht werden können“, sagt Torsten Treiber: „Also prima Aussichten für alle Fahrzeuge, die Oldtimer sind oder werden.“ Zumal auch Wartung und Reparatur gesichert sind: „Wir bilden unsere Azubis von heute auch in der Technik von gestern aus und es gibt Betriebe, die sich spezialisiert haben.“

Die Oldtimer werden immer mehr. Das ist nachfragebedingt, das liegt aber auch daran, dass jedes Jahr 30-jährige Autos die Zeitgrenze zum Oldtimer überschreiten. VW T4 und Renault Clio sind zwei Beispiele für Fahrzeuge, die 1990 neu auf den Markt kamen. Allerdings werden sie heuer nicht automatisch zum Oldtimer, sagt Christian Reher und zitiert die Fahrzeug-Zulassungsverordnung §2, Nr. 22: Diese definiert Oldtimer als „Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen“.

Genau 27.096 solcher Fahrzeuge sind derzeit bei den Zulassungsstellen in der Region registriert, 10,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Von diesen Fahrzeugen sind 23.343 Pkw (plus 11,6 Prozent). Damit hat mehr als jeder vierte Oldtimer im Land seinen Standort in der Region. Die Stadt Stuttgart beziehungsweise die Region Stuttgart darf dabei als Herz der Oldtimerszene des Landes gelten: 5.955 Oldies (Vorjahr 5.443 / plus 9,4 Prozent) sind allein in Stuttgart gemeldet. 9,4 Prozent Zuwachs binnen eines Jahres sind eine schöne Zahl“, sagt Roger Schäufele, Stuttgarter Kreisvorsitzender der Innung. Was da aktuell so als Schätzchen gehegt und gepflegt wird, sind aber nicht nur Pkw: neun Busse, 96 Motorräder, 182 Lkw und 57 Traktoren kommen zu den 5.203 Pkw. Und 340 Sonderfahrzeuge, vor allem Wohnmobile, aber auch mal Feuerwehrautos und andere Spezialfahrzeuge.

Das H-Kennzeichen, das diese Fahrzeuge schmückt, steht für „historisch“ und „deswegen kann fröhliches Rumbasteln schädlich sein“, sagt Torsten Treiber: „Oldtimer dürfen nur in Farben lackiert werden, die in ihrem Baujahr verfügbar waren. Und ein defekter Motor darf nur durch einen Motor gleicher Baureihe ersetzt werden.“ E-Motor geht also gar nicht. Selbst als Anbauteile sind nur solche zulässig, die in den ersten 10 Jahren nach Erstzulassung üblich waren.“

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Dinge, die zu beachten sind. Es gibt aber auch eine Anlaufstelle, die für Neulinge in der Szene Kopfzerbrechen überflüssig macht und den Spaß am Oldtimer bis ins hohe Alter von Auto und Besitzer, aber auch Erben sichert: „Innungsbetriebe, die sich spezialisiert haben. Sie haben ein spezielles Erkennungszeichen: das Zusatzschild ‚Fachbetrieb für historische Fahrzeuge‘ zum blau-weißen Innungsschild. Um dieses Schild zu bekommen, müssen sie sich zertifizieren lassen und einen festgelegten Pflichtenkatalog erfüllen“, sagt Christian Reher. Für passenden Schraubernachwuchs ist auch gesorgt: „Oldtimerfachmann oder -frau darf sich nennen, wer in seiner Ausbildung eine spezielle Zusatzausbildung absolviert hat“, sagt Torsten Treiber. Inzwischen werden an den Berufsschulen in Ludwigsburg, in Backnang und in Nürtingen die entsprechenden Kurse angeboten.“

Da steht einem langen Oldtimerleben nichts im Wege: „Wir wollen nicht verhehlen, dass die Chancen eines Autos 200 Jahre alt zu werden, im Moment deutlich höher sind als die eines Menschen, weil sich defekte Teile schnell wechseln lassen. Hoffen wir mal, dass die Medizin da in den nächsten Jahren aufholt“, sagen Christian Reher und Torsten Treiber. „Aber der Faszination an der Technik und dem Kulturgut Auto tut das keinen Abbruch. Die überträgt sich von Generation auf Generation, das haben die letzte 134 Jahre längst bewiesen.“


 
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