E-Autos sind kein Renner: Schlechter Start ins Autojahr dank Peter Altmaier?

10.02.2020

„Attraktivere E-Autos als Konjunkturmotor wären schön gewesen, funktioniert aber nicht, weil Peter Altmaier die Prämie nicht auf die Reihe bekommt.“ Obermeister Torsten Treiber spricht deswegen vom „befürchteten Fehlstart ins Autojahr 2020“. Im Bund sanken die Pkw-Neuzulassungen um 7,3 Prozent, in der Region waren es minus 9,9 Prozent. Auf die Kreise gesehen, meldet allerdings der Kreis Esslingen sogar ein Plus von 16,7 Prozent. Den größten Einbruch gab es mit 19,3 Prozent in Stuttgart. Gefolgt vom Kreis Ludwigsburg (minus 18,9 Prozent), dem Rems-Murr-Kreis (12,8 Prozent), dem Kreis Göppingen (minus 7,4 Prozent) und dem Kreis Böblingen (minus 6,8 Prozent). Letzterer ist dafür Spitzenreiter bei den Gebrauchten mit „sagenhaften 47,2 Prozent plus bei den Besitzumschreibungen“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Rems-Murr (plus sechs Prozent) liegt auch über dem Bundesdurchschnitt von 5,3 Prozent. Der Kreis Göppingen (plus 0,9 Prozent). Stuttgart (minus 4,4 Prozent), der Kreis Ludwigsburg (minus 5,3 Prozent) und der Kreis Esslingen (minus 5,4 Prozent) liegen deutlich drunter. Dass die Autokonjunktur nachlässt, hat die Branche erwartet, sagt Torsten Treiber, „der Rückgang bei den Neuzulassungen wird aufs Jahr gesehen mit zehn Prozent vorausgesagt.“ Stuttgart und die Region sind indes ein besonderes Pflaster: „Der Druck durch Fahrverbote beschleunigt im Prinzip den Umstieg auf Elektrofahrzeuge und Hybride.“ Im Prinzip: Denn die versprochenen 6.000-Euro-Umweltbonus hat das Bundes-Wirtschaftsministerium erst am 20. Januar bei der EU zur Genehmigung vorgelegt. Beschlossen wurde die Erhöhung „im Rahmen der Konzertierten Aktion Mobilität am 4. November 2019“ (O-Ton Bundesregierung). „Unglaublich oder?“, fragt der Obermeister rhetorisch.

„Wir sind schon davon ausgegangen, dass eine höhere E-Auto-Prämie einen Schub bei der Nachfrage bringt“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Bisher brachte die fehlende Freigabe durch die EU allerdings eher Ärger mit Kunden, die sich gelackmeiert fühlten. Wobei Torsten Treiber die Schuld daran nicht in Brüssel, sondern in Berlin sieht: „Wären die Unterlagen vom Wirtschaftsministerium im November abgegeben worden, wäre die neue Prämie von 6.000 Euro sicher schon genehmigt.“ Inzwischen gibt es aber Hoffnung: „Nach den neuesten Meldungen wird Brüssel die Prämie genehmigen und wie von uns gefordert, auch rückwirkend zum 4. November gewähren.“  

Es ist nämlich nicht so, dass seit November keine E-Autos und vor allem keine Hybride mehr verkauft werden. Vor allem die Vollhybriden stützen die Konjunktur, weil sie vom Umweltbonus unabhängig sind. „Für diese Autos gibt es im Gegensatz zu den Plugin-Hybriden kein Geld vom Staat“, sagt Roger Schäufele, Stuttgarter Kreisvorsitzender der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart.

Zusammengerechnet wurden in Stuttgart im Januar 112 E-Autos verkauft, statt 68 im Dezember und 549 Hybrid-Pkw statt 473 im Dezember. „Unsere Autohäuser, die diese Modelle anbieten, haben also keinen Rückgang.“ Aber sie „haben Kunden, die sich ärgern“, sagt Christian Reher: „Wir haben schon im letzten Herbst für eine Übergangslösung plädiert.“ Die Innung ärgert sich auch: „Wir werben unter anderem mit Stadt Stuttgart und dem Verband Region Stuttgart auf unserer virtuellen Plattform www.emobil-region-stuttgart.de für den Umstieg“, sagt Christian Reher.

Immerhin: Insgesamt ist der E-Auto-Bestand in Stuttgart inzwischen von 1.622 im Januar 2019 auf jetzt 2.752 E-Pkw gestiegen. Das ist ein Zuwachs von 1.230 Pkw oder 43,82 Prozent. Den Vollhybriden kann das aber nicht das Wasser reichen. Die liegen bei 5.871 (Vorjahr 3.385) und damit mit 2.486 Pkw oder 46,44 Prozent im Plus. Für Roger Schäufele ist das logisch: „Keine Reichweitenangst, keine Ladeprobleme und für Kurzstrecke ausreichende Kapazität. Eigentlich schade, dass diese Autos nicht gefördert werden.“ Plugins sind in Stuttgart am wenigsten gefragt: Der Bestand liegt laut Zulassungsstelle bei 2.680 Pkw, 892 oder 37,15 Prozent mehr als vor einem Jahr im Januar.

Damit die neue Prämie kommt, muss die Förderrichtline noch veröffentlicht werden: „Die 3. Änderung der Richtlinie zur Förderung des Absatzes von elektrisch betriebenen Fahrzeugen tritt am Tag nach ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft und am 31. Dezember 2025 außer Kraft. Sobald die zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft sind, können keine weiteren Fördergelder bewilligt werden“, heißt die amtsdeutsche Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums.  Das Ministerium hat einen Plan: „Die angepasste Förderrichtlinie wird noch im Februar im Bundesanzeiger veröffentlicht und damit in Kraft treten.“

Was die Neuzulassungen und Besitzumschreibungen insgesamt angeht, sieht die Lage so aus: In absoluten Zahlen gab es in der Stadt 3.922 Pkw-Neuzulassungen (Vorjahr 4.883). Von denen sind 1.471 Diesel. Das sind 259 oder 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Benziner und andere Antriebsarten kamen zusammen auf 2.471 Neuzulassungen (Vorjahr 3.153/minus 682 oder 21,6 Prozent).

Bei den Gebrauchtwagen sank die Zahl der Besitzumschreibungen auf 3.690 (Vorjahr 3.859/minus 169 oder 4,4 Prozent). Diesel-Pkw sind darin 2.074 enthalten (Vorjahr 2.176/minus 102 oder 4,7 Prozent). Gebrauchte Diesel-Pkw sind damit weiter gefragter als Benziner und andere Antriebsarten zusammen: Die kamen auf 1.616 (Vorjahr 1.683/minus 67 oder vier Prozent). „Unterm Strich war das jetzt kein Hurra-Monat, aber wirtschaftlich ist für unsere Betriebe alles im grünen Bereich. Solange vor allem der Pkw-Bestand in der Stadt bei deutlich über 300.000 Fahrzeugen liegt, gibt’s für unsere Betriebe genug zu tun“, sagt Torsten Treiber.


 
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