Fast 25.000 Oldtimer in der Region Stuttgart und der Zuwachs geht weiter

05.03.2019
Kraftfahrzeuginnung: Bestand steigt zweistellig

Oldtimer gibt’s derzeit in der Region Stuttgart über viermal mehr als Elektroautos: Fast 25.000 sind derzeit nach den Zahlen der Zulassungsstellen hier registriert, 12,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Von diesen Fahrzeugen sind rund 21.300 Pkw (plus 11,6 Prozent). Damit hat mehr als jeder vierte Oldtimer im Land seinen Standort in der Region. „Oldtimer sind für viele Menschen immer noch Traumautos, vor allem aber ein Traum, den sie sich erfüllen können“, interpretiert Torsten Treiber, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, die Zahlen: „Zweistellige Zuwachszahlen hätten wir natürlich auch gerne in anderen Bereichen.“

Am kommenden Wochenende bei der Retro Classics werden sich die Fans der alten Autos wieder in Stuttgart treffen. Besser gesagt, leicht außerhalb der Stuttgarter Gemarkung, denn die Landesmesse liegt nicht in Stuttgart, also außerhalb der Fahrverbotszone. Wobei die Fahrverbote ja nicht für Oldtimer gelten: „Aber wenn einer mit dem Euro-4-Diesel aus einem anderen Landesteil kommt, um sich Oldies anzuschauen, dann hat er so auch kein Problem“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher.

Stuttgart beziehungsweise die Region Stuttgart darf dabei als Herz der Oldtimerszene des Landes gelten: Fast 30 Prozent der landesweit zugelassenen Oldtimer stehen hier in Garagen, speziellen Hallen oder Präsentationsanlagen. 5.443 Oldies, davon 4.796 Pkw haben ihren Standort allein in Stuttgart. Vor einem Jahr waren es noch 4.929 beziehungsweise 4.359. „10,4 Prozent Zuwachs binnen eines Jahres sind eine schöne Zahl“, sagt Roger Schäufele, Stuttgarter Kreisvorsitzender der Innung.

Das Geschäft boomt schon seit einigen Jahren: Seit 2012 ist die Zahl der Oldtimer in der Region nach den Daten der Zulassungsstellen um rund 82 Prozent gewachsen. In Stuttgart waren es rund 71,4 Prozent. Was da aktuell so als Schätzchen gehegt und gepflegt wird, lässt sich aufschlüsseln: 10 Busse, 161 Lkw, 47 Traktoren, 89 Motorräder kommen zu den 4.796 Pkw, plus 340 Sonderfahrzeuge, vor allem Wohnmobile, aber auch mal Feuerwehrautos und andere Spezialfahrzeuge.

Bei so viel Interesse gibt es Innungsbetriebe, die sich spezialisiert haben. Sie haben ein spezielles Erkennungszeichen: das Zusatzschild "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" zum blau-weißen Innungsschild. Um dieses Schild zu bekommen, müssen sie sich zertifizieren lassen und einen festgelegten Pflichtenkatalog erfüllen“, sagt Christian Reher. Für passenden Schraubernachwuchs ist auch gesorgt: „Oldtimerfachmann oder -frau darf sich nennen, wer in seiner Ausbildung eine spezielle Zusatzausbildung absolviert hat“, sagt Torsten Treiber. Inzwischen werden an den Berufsschulen in Ludwigsburg, in Backnang und in Nürtingen die entsprechenden Kurse angeboten.

„Alte Autos oder besser historische Fahrzeuge werden immer wieder neue Freundinnen und Freunde finden“, da ist sich Torsten Treiber sicher. Denn über die Generationen hinweg gibt es ganz unterschiedliche Motivationen sich einen Oldtimer zuzulegen: „Das reicht von dem Wunsch ein Auto aus der Kaiserzeit zu fahren und mit der Technik umzugehen, mit der alles begann, bis zum Auto, mit dem sich besondere Erlebnisse verbinden, der erste Kuss, schöne Urlaubsfahrten, die wilde Jagd zur Geburtsklinik oder was es dergleichen mehr gibt.“ Und die Gefahr, dass es künftigen Oldtimerbesitzern so geht wie Bertha Benz, die sich als erste Frau auf dem ersten Benz in der Stadt-Apotheke in Wiesloch den nötigen Sprit besorgen musste, sieht Torsten Treiber als gering an: „Die Entwicklung zur gesicherten Treibstoffversorgung auf Jahrhunderte hinaus ist längst eingeleitet, synthetische Treibstoffe werden in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen. Und der Verbrennungsmotor ist noch längst nicht ausgereizt. Grad hat 6d-temp bewiesen, dass der saubere Diesel geht und der geht auch noch in 30 Jahren, wenn er zum Oldtimer wird.“

 

 


 
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