Gesicherte Mobilität heißt für die meisten Menschen eins von 1,65 Millionen Autos vor der Tür

29.10.2019
Kraftfahrzeuginnung: Fahrzeugzuwachs setzt sich fort

Die Zahl der Menschen in der Region wächst. Die Zahl der Pkw auch: Seit September 2018 sind fast 22.400 Pkw in der Region dazugekommen. Aktueller Stand zum 30. September: 1,654 Millionen Pkw. „Sogar Stuttgart, das vom ÖPNV-Angeboten verwöhnt wird, hat mit über 304.000 einen neuen Höchststand erreicht“, sagt Christian Reher, Geschäftsführer der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Im Kreis Böblingen liegt der Bestand bei fast 255.000 Pkw. Im Kreis Esslingen bei nicht ganz 332.500, im Kreis Ludwigsburg bei fast 334.000, im Rems-Murr-Kreis bei rund 264.000 und im Kreis Göppingen bei rund 165.500 Pkw. „Das sind überall neue Spitzenwerte“, fasst Obermeister Torsten Treiber den aktuellen Stand zusammen. Und zieht daraus die Schlussfolgerung: „Gesicherte Mobilität heißt für die meisten Menschen ein Auto vor der Tür und nicht nur die Monatskarte in der Tasche.“ ÖPNV und Auto seien kein Gegensatz: „Die ergänzen sich.“ Was die aktuellen Zahlen in beiden Bereichen bewiesen: „Der VVS fährt Fahrgastrekorde ein, bei den Kfz haben wir dennoch Besitzstandrekorde.“

„Dabei sollte sich keiner etwas vormachen, beide Angebote stehen im Wettbewerb, das ist klar“, sagt auch Roger Schäufele, der Stuttgarter Kreisvorsitzende: „Keiner kauft sich ein Auto, wenn er es nicht braucht.“ Ob Elektroauto oder Verbrenner, SUV, Kombi oder Kleinwagen: „Wer für eine vierköpfige Familie ein Einkaufs- und Urlaubsauto braucht, weil Aldi drei Kilometer weg ist und die Ötztaler Alpen, Italien oder die Ostsee auch nicht um die Ecke, bewegt sich immer zwischen Nutzen, Spaßfaktor und Kosten wie jeder andere auch. Jeder guckt, dass für ihn die Rechnung aufgeht.“

Das Ergebnis lässt sich an den Zulassungszahlen und an den Bestandszahlen ablesen. Wobei die Zulassungszahlen vom September zwar mächtige zweistellige Werte aufweisen. Allerdings durch die Umstellung auf den WLTP-Test vor einem Jahr nicht unbedingt verlässliche Werte liefern, weil viele Autos im September vor einem Jahr nicht ausgeliefert werden konnten. Die Bestandszahlen sind da verlässlicher, sagt Christian Reher, „wenn das neue Auto nicht kam, sind Firmen und Privatleute eben das bisherige weitergefahren.“

Die Bestandsentwicklung gibt für die Kraftfahrzeugbetriebe in Stuttgart Anlass zur Freude: „Wir haben uns durchaus Sorge gemacht, welche Folgen der Dieselskandal und die massive Verteufelung des Autos samt dem Stuttgarter Verkehrsverbot für Euro-4-Diesel haben könnte“, sagt Roger Schäufele. Inzwischen ist klar; „die Menschen verzichten nicht aufs Auto. Sie kaufen sich ein anderes, wenn sie dazu gezwungen werden.“ Das beste Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die Zahl der Euro-4-Diesel bis Ende September in der Stadt auf etwas über 6.000 gesunken ist und die Euro-5-Diesel nur noch bei rund 21.500 liegen, bei insgesamt knapp 85.000 Diesel-Pkw: „Wir hatten auch im September wieder einen Gebraucht-Diesel-Boom in Stuttgart“, sagt Torsten Treiber. 1.593 kamen dazu, 165 oder 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr. WLTP spielte hier keine Rolle. Bei den Neuwagen dagegen vermutlich schon: „Da haben wir mit 4.138 Pkw ein Zulassungsplus von 1.292 oder 45,4 Prozent, das seine Wurzeln im Lieferengpass 2018 haben dürfte“, sagt Christian Reher: Neue Diesel gab’s unter den Neuwagen auch: 1.248 sind 266 Autos oder 27,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.“

Bei den Elektroautos liegt der Bestand laut Zulassungsstelle bei 2.383. „Das sind zwar über 63 Prozent mehr als vor einem Jahr aber am Bestand haben diese Autos leider erst einen Anteil von 0,78 Prozent“, sagt Christian Reher: „Leider, weil die Kfz-Betriebe mit deutlich mehr E-Autos gerechnet haben. Und selbst wenn wir Plugin- und Vollhybride dazu nehmen, sind wir erst bei insgesamt drei Prozent. Das ist zwar der höchste Wert in der Region, aber der Durchbruch ist das nicht.“ Immerhin ist es aber zusammen mit den konventionellen Pkw „eine gesicherte Basis für die Arbeit unserer Werkstätten und damit für die Arbeitsplätze in unseren Betrieben.“

Den Durchbruch in Richtung Klimaneutralität verspricht sich Obermeister Torsten Treiber ohnehin von einer anderen Lösung: „Wer schnelle Erfolge beim Klimaschutz will, muss E-Fuels anbieten.“ Als E-Fuels werden synthetische Kraftstoffe bezeichnet, die mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid (CO2) hergestellt werden. „Mit denen wird jeder Verbrenner klimaneutral.“ Mehr noch „Diese Verbindungen verbrennen nahezu rußfrei und erlauben es daher, Motoren so zu verbessern, dass sie … fast keinen Feinstaub oder Stickstoffoxid emittieren“, zitiert er aus einem Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. „Damit ließen sich die heute noch rund 295.000 Verbrenner in Stuttgart problemlos bis zum Ende ihrer Lebenszeit von zehn, 15 und mehr Jahren weiter nutzen. Denn wir haben ausgesprochen nachhaltige Autos, die einfach zu verschrotten wäre definitiv keine klimafreundliche Lösung.“


 
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