Hardware-Nachrüstung läuft, die Welle der Zuschussanträge kommt erst noch

05.05.2020
Kraftfahrzeuginnung: Corona auf den Zulassungsstellen bremst die Einträge in den Kfz-Scheinen

170 vorliegende Zuschussanträge für nachgerüstete Mercedes-Diesel hat Daimler gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigt. „Da kommt allein in der Region Stuttgart nochmal das Vielfache nach, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart: „Eine Blitzumfrage unter unseren Innungsbetrieben hat ergeben, dass durch die Kfz-Betriebe in der Region in diesem Jahr bis zum Wochenende mindestens 279 Nachrüstsysteme verbaut worden sind. Davon 276 für Mercedes und zwei für Volvos. Weitere 390 Nachrüstaufträge liegen vor, davon 372 für Mercedes.“ Dass Daimler nichts davon weiß, ist leicht zu erklären, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher: „Voraussetzung für einen Zuschussantrag ist ein Scan der Zulassungsbescheinigung Teil I und II, nachdem die Nachrüstung eingetragen ist.“ Diese Eintragungen sind aber wegen der durch Corona eingeschränkten Tätigkeit auf den Zulassungsstellen zurückgestellt worden, deswegen sagen die vorliegenden Anträge nichts über das tatsächliche Nachrüstgeschehen. Christian Reher: „Die Welle der Zuschussanträge kommt erst noch.“ Er ist sich auch sicher, dass danach noch eine zweite Welle kommt, „weil keiner die 3.000 Euro von VW oder Daimler verschenken wird, der seinen Euro-5-Diesel noch ein Weilchen fahren will.“

Bei den Zulassungsstellen läuft’s unterschiedlich: „Wir haben feststellen müssen, dass beim Landratsamt Esslingen Eintragungen zeitweise nicht möglich waren. Dennoch rüsten wir nach. Wir haben in diesem Jahr bereits 35 eingebaut und haben zwölf verbindliche Bestellungen“, sagt Frank Schnierle, Geschäftsführer des Mercedes-Autohauses Jesinger in Esslingen und stellvertretender Obermeister der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Region Stuttgart. 650 ausgelieferte Nachrüstsätze hat dpa vom Nachrüsthersteller Dr. Pley gemeldet bekommen. Insgesamt seien 3.500 produziert worden. Das Autohaus Kloz in Fellbach hat sogar „150 Systeme bereits verbaut, 300 Systeme sind vorbestellt und die Nachfrage steigt im Moment weiter an“, sagt Geschäftsführer Dieter Schlatterer als Momentaufnahme.

„Die ersten 1.000 Systeme dürften damit schon Stand jetzt demnächst in der Region Stuttgart verbaut sein“, sagt Christian Reher: „In den Kfz-Betrieben in allen Kreisen liegen neben Aufträgen auch noch Anfragen vor, die noch nicht zu Aufträgen geführt haben.“

Was bei VW beispielsweise auch daran liegt, „dass bisher gar keine Nachrüstsätze lieferbar waren“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Das ändert sich jetzt: Bei Twintec/Baumot läuft das Geschäft auch an: „Zehn Nachrüstsätze sind bestellt, aber die Lieferzeit liegt bei acht bis zehn Wochen“, sagt Roger Schäufele vom Möhringer Autohaus Lutz, der Stuttgarter Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung. Für den VW Sharan/Seat Alhambra oder Audi Q5 quattro 2,0 TDI bietet der Hersteller Oberland-Mangold ab sofort ein SCR-Nachrüstsystem an, bei dem die 3.000 Euro Zuschuss, die VW versprochen hat, den Kosten für das System entsprechen. Torsten Treiber: „Wenn es den Nachrüstsatz zum Nulltarif gibt, ist das für alle, die rechnen können, ein starkes Argument“.

Noch stärker ist aber ein anderes. Das heißt, in Sachen Deutsche Umwelthilfe und Jürgen Resch ist mit allem zu rechnen: “Wer nicht nachrüstet, verschenkt nicht nur Geld. Er riskiert auch Fahrverbote“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, habe angekündigt, dass er in diesem Jahr noch ein flächendeckendes Verkehrsverbot für Euro-5-Diesel-Pkw in Stuttgart durchsetzen will. „Das heißt, er will alle Euro-5-er aus der Stadt haben, so wie es bei den Euro-4-Dieseln lief“, sagt Christian Reher.

Die jüngste Fortschreibung des Luftreinhalteplans, in der bereits ein Fahrverbot in einer kleinen Umweltzone (alle Innenstadtbezirke, Bad Cannstatt, Feuerbach und Zuffenhausen) ab 1. Juli enthalten ist, ist aus Sicht der DUH rechtswidrig und dem Plan der Landesregierung, dieses Fahrverbot zumindest aufzuschieben, will er einen juristischen Riegel vorschieben, hat Jürgen Resch in einer Pressemitteilung vom 24. April angekündigt: „Da die Landesregierung sich weigert, das per höchstrichterlichem Urteil angeordnete Euro-5-Dieselfahrverbot auf das gesamte Stadtgebiet auszudehnen und alle Zwangsvollstreckungsentscheidungen der Gerichte ignoriert, muss sich nun erneut der Verwaltungsgerichtshof Mannheim mit der Durchsetzung der sauberen Luft in Stuttgart beschäftigen.“ Und dabei will Jürgen Resch auch noch die freie Fahrt für softwarenachgerüstete Diesel abräumen: Land und Stadt „müssen die gerichtlich verfügten, notwendigen weiteren Maßnahmen ergreifen: Rücknahme der rechtswidrigen Ausnahme für Fahrzeuge mit Software-Update und strikt kontrolliertes Dieselfahrverbot für alle Euro 5/V Fahrzeuge ohne wirksame Hardware-Nachrüstung.“

Langer Rede, kurzer Sinn: „Nur wer eine Hardwarenachrüstung hat, kann sicher sein, dass er auch am Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung noch fährt, denn bis jetzt waren die Verwaltungsrichter meistens auf der Seite der DUH“, sagt Torsten Treiber: „Und da die Nachrüstung kein finanzielles Risiko ist, ist es besser, die lieber heute als morgen in Auftrag zu geben, vor allem, wenn man in Stuttgart wohnt.“  


 
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