Kraftfahrzeuginnung ist gegen Elektroautoförderung

05.02.2016
5.000-Euro-Prämien für Elektrofahrzeuge sind eine unnütze Geldausgabe

„Die Autohändler haben nichts von einer E-Auto-Prämie und die Konzerne haben sie nicht nötig“. Auf diesen Punkt bringen Obermeister Torsten Treiber und Geschäftsführer Christian Reher von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart die Antwort auf die Frage, was sie von der 5000-Euro-Prmie halten. Um die Zahl der 602 Elektro-Pkw zu steigern, die am Jahresanfang in Stuttgart unterwegs waren, müssten die Hersteller marktfähige Fahrzeuge zu marktfähigen Preisen liefern, alles andere nutze gar nichts: „Für Daimler beispielsweise werden für 2015 rund 13,7 Milliarden Gewinn erwartet, da fehlt’s doch nicht an Geld.“ Das Problem des Elektroautos sei derzeit seine Technik und „an der ändern auch die 5.000 Euro nicht“. Überschätzt würden speziell in Stuttgart auch die Möglichkeiten der Luftreinhaltung: „Elektroautos bringen gegenüber klassischen Autos beim Feinstaub kaum Entlastung.“ Wenn Prämie, so die Innung, dann eine Umstiegsprämie auf schadstoffärmere Autos insgesamt.“

Die Zahlen sprechen aus Sicht der Kraftfahrzeuginnung eine klare Sprache: „Das Elektroauto ist immer noch ein Nischenprodukt“, sagt Torsten Treiber: 602 vollelektrische Pkw waren am 31.12.2015 in Stuttgart im Bestand, 1.732 in der ganzen Region. Dazu kamen in Stuttgart noch 100 als Lkw zugelassene Fahrzeuge (Region insgesamt 196). Zu Jahresanfang 2015 hatte die Zahl der Elektro-Pkw noch bei 1.061 gelegen, dass sie sank „liegt daran, dass in Stuttgart 429 eingesetzte Elektro-Smarts aus der Statistik verschwanden, weil Car2Go seine Zentrale nach Berlin verlegt hat“, sagt Torsten Treiber. Die 35.000 Elektroautos, die nach den Prognosen der Bundesregierung in der Region rollen sollen, sind noch weit weg.

Wenn die Kraftfahrzeuginnung sich gegen eine E-Auto-Kaufprämie ausspricht, dann tut sie das, obwohl sie Vorreiter beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur im Kraftfahrzeug-Handwerk ist: „2012 haben wir mit dem Autohaus von der Weppen das erste Stuttgarter Autohaus als „Fachbetrieb für Hybrid- und Elektrofahrzeuge“ zertifiziert. Ein Zertifikat, das es nur bei der Innung gibt. Inzwischen sind knapp 20 Betriebe zertifiziert. Im Ausbildungsgang der Kfz-Mechatroniker ist das Thema Elektroauto längst auch durch hiesige Pilotprojekte längst fester Bestandteil, sagt Christian Reher: „Wir bilden die Leute längst aus, die wir für die Betreuung der Elektroautos brauchen. Wir brauchen jetzt nur noch den Boom bei Elektroautos.“

Der wird allerdings aus Sicht der Kraftfahrzeuginnung erst kommen, wenn die Autos wirklich marktfähig sind. Sprich, von den Ladezeiten, den Reichweiten und den Abläufen mit den klassischen Antriebskonzepten vergleichbar sind. Und wenn parallel auch eine funktionsfähige Ladestruktur aufgebaut ist. An diesen Punkten sei die Industrie in der Pflicht, nicht der Staat. Für eine Förderung gäbe dabei aus Sicht der Innung nur einen Ansatz: Um größere Erfahrung im Umgang mit Elektrofahrzeugen zu schaffen, fordert das Kfz-Gewerbe „seit über zwei Jahren eine Sonderabschreibung bei gewerblich genutzten Fahrzeugen in Höhe von 50 Prozent der Anschaffungskosten im ersten Jahr der Nutzung“, sagt Christian Reher. Dann ließe sich für Firmen „problemlos testen, wie sie mit den Elektroautos klarkommen“ und nebenbei auch ein Gebrauchtfahrzeugmarkt schaffen.

Die Innung warnt in diesem Zusammenhang speziell in Stuttgart davor, zu viel Hoffnung in die Umweltentlastung durch Elektroautos zu setzen: „Beim Feinstaub kommen nach den eigenen Daten der Landesregierung nur sieben Prozent über Autoabgase in die Luft. Bremsenabrieb haben Elektroautos dagegen beispielsweise wie andere Pkw auch. Bei den Stickoxiden kommen über 50 Prozent aus Autoabgasen, da wäre die Entlastung höher.“

Das Prinzip, das hinter der 5.000-Euro-Prämie steckt, ist für die Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart leicht erkennbar: Eine Million Autos mal 5.000 Euro gleich fünf Milliarden gleich der gleiche Betrag, der für die Umweltprämie 2009 bereitgestellt wurde. An dem Modell für die Umweltprämie, das seinerzeit entwickelt wurde, war die Innung mitbeteiligt, deswegen weiß sie auch, dass der jetzige Plan nicht vergleichbar ist: „Die Idee war damals eine andere. Da wurde nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern es mussten alte, schadstoffreiche Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen werden.“ Das wäre in der Region mit Blick auf die Stuttgarter Schadstoffwerte durchaus ein Thema: „Wir haben bereits eine Umstiegsprämie vorgeschlagen, aber die dürfte nicht an ein bestimmtes Motorkonzept gebunden sein, sondern daran, dass ein schadstoffreiches Fahrzeug unterhalb von Euro 5 durch ein Auto der Schadstoffgruppe Euro 6 ersetzt wird. Dann würde die Luft tatsächlich besser.“


 
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