Kraftfahrzeuginnung: „Kleine Sonderkonjunktur durch drohende Fahrverbote“

27.11.2018
Diesel werden immer jünger und Nachfrage nach Autos ist besser als im Bund

„Der Diesel sinkt in der Gunst der Menschen, das Auto nicht“, so bringt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart die aktuelle Entwicklung des Automarktes auf den Punkt. In der Region Stuttgart wurden zwar in den letzten zehn Monaten rund 10.700 neue und gebrauchte Diesel-Pkw weniger verkauft als im Vorjahr, aber dafür über 11.000 Pkw mehr, die entweder einen Benzinmotor hatten oder einen Hybrid- beziehungsweise Elektroantrieb. „Die Nachfrage nach Pkw ist stabil, aber natürlich in den Kreisen recht unterschiedlich.“ In Stuttgart ist die Nachfrage nach neuen wie nach gebrauchten Dieseln mit 6.440 Pkw am stärksten gesunken. „Das wird keinen überraschen, trotzdem ist auch hier jedes dritte neuzugelassene Auto immer noch ein Diesel“, sagt der Kreisvorsitzende der Innung, Roger Schäufele. Unter dem Strich wird die vorhandene Dieselflotte dadurch immer jünger: „Mehr als ein Drittel des Dieselbestandes in Stuttgart sind seit Anfang 2017 durch Neuwagen ersetzt worden“, ergänzt Innungsgeschäftsführer Christian Reher die aktuellen Zahlen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für den Oktober sinkende Zulassungszahlen: minus 7,4 Prozent. Die Zulassungsstellen in der Region melden alle Zuwachs. 12,9 Prozent mehr Neuzulassungen sind’s regional insgesamt. 0,3 Prozent oder 16 Autos mehr wurden laut Zulassungsstelle in Stuttgart angemeldet: „Hört sich nicht gerade viel an“, sagt Roger Schäufele, „ist für die Betriebe aber angesichts der Bundeszahlen trotzdem eine gute Nachricht.“ Wahrscheinlich wäre sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen. Noch immer können nicht alle Hersteller liefern, was schon bestellt wurde. Stichwort Umstellungsprobleme auf den neuen Abgastest WLTP: „Im Grunde haben wir hier mit den 4.744 Pkw-Neuzulassungen im Oktober eine kleine Sonderkonjunktur.“ Und die 3.734 Gebrauchten, die auf neue Halter umgeschrieben wurden, sind sogar ein Plus von 13,6 Prozent (448 Pkw).

„So wie es momentan aussieht, kratzen die Stuttgarter aber auch jeden Cent zusammen, um sich modernere Autos zu kaufen“, zieht Christian Reher seine Schlüsse aus den Zulassungszahlen. Das angekündigte Aus für Euro-4-Diesel in Stuttgart „zeigt Wirkung, weil alle jetzt klar erkennen, dass das politische Versprechen Fahrverbote zu vermeiden, nur heiße Luft war.“ Bessere Luft kommt durch die Flottenerneuerung auf alle Fälle: Zu rund 15.000 neuen Dieseln kamen seit Jahresanfang über 31.000 neue Benziner, Elektroautos und Hybride: „Und die in den letzten Monaten in Stuttgart während der Dieseldebatte zugelassenen rund 21.000 gebrauchten Diesel werden auch nicht gerade Euro-5 und schwächere Schadstoffklassen sein“, sagt Torsten Treiber.

Aber schon, wenn nur die Neuzulassungen von 2017 und 2018 zusammengerechnet werden, „dürfte Stuttgart momentan mit die modernste Fahrzeugflotte Deutschlands haben, jeder dritte Diesel aber auch jedes dritte Fahrzeug ohne Ansehen der Antriebsart ist jünger als 22 Monate“, sagt Torsten Treiber. Parallel sank von Januar 2017 bis Oktober 2018 der Messwert an der Station Neckartor von 82,2 auf rund 70 Mikrogramm NO2 je Kubikmeter. „Da mir sonst niemand bekannt ist, der maßgeblich zu dieser Verringerung beigetragen haben könnte, nehme ich jetzt mal für die alle Pkw-Fahrenden in Anspruch, dass sie einen deutlichen Beitrag zur Luftreinhaltung geleistet haben“, sagt Torsten Treiber. Und verweist darauf, „dass wir längst noch besser sein könnten. Seit 2015 als die letzten Euro-5-Diesel verkauft wurden, sagen wir, dass es ohne Nachrüstung nicht geht. Zeit, die unnötig verschenkt wurde und immer noch verschenkt wird. Da hat sich in Berlin nichts getan.“ Was den Obermeister besonders nervt: „In Sachen Nachrüstung sagt das KBA gar nichts. Baumot als Hersteller von Nachrüstsystemen sagt, seit September 2018 seien alle Anträge für die Zulassung ihres BNOx-Nachrüstsystems gestellt und der Vorstand geht davon aus, dass bei einem normalen Zulassungsprozess bereits Anfang 2019 die ersten Systeme der Baumot Group ausgeliefert werden können. Der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Guido Beermann, sagt dagegen dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) lägen derzeit noch, ich zitiere „keine vollständigen“ Anträge auf Zulassung solcher Abgasreinigungssysteme vor. Effiziente Sacharbeit, stellen wir uns als Werkstätten anders vor: Wenn bei der Reparatur eine Schraube fehlt, holen wir uns schnell eine, damit der Kunde zufrieden ist.“

 


 
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