Kraftfahrzeuginnung: Nicht von Versicherung reinlegen lassen

15.01.2016
Reparaturqualität bei Blechschäden über Gutachten und Anwaltsnetzwerk sichern

Wenn’s schneit, schneit’s nach alter Erfahrung von Polizei und Werkstätten auch Dellen und Beulen. Zuweilen schneit’s auch Ärger. Ein Blechschaden sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sagt die Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Sie warnt insbesondere davor, sich als Unfallgeschädigter auf die Schadenssteuerung der gegnerischen Versicherung einzulassen, weil Erfahrungen und Urteile zeigen, dass für die Versicherer nicht das Wohl des Unfallgeschädigten im Vordergrund steht. Mehr noch, Obermeister Torsten Treiber weist ausdrücklich auf das Anwaltsnetzwerk hin, das die Innung 2015 gegründet hat und das über die Kfz-Betriebe fachlich versierte Anwälte vermittelt. Dass die Innung rät den Anwalt einzuschalten, hätten sich die Versicherer selber zuzuschreiben. Das sagen auch Richter: „Auch bei einfachen Verkehrsunfallsachen ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts von vornherein als erforderlich anzusehen. Gerade die immer unüberschaubarere Entwicklung der Schadenspositionen und der Rechtsprechung zu den Mietwagenkosten, Stundenverrechnungssätzen u. Ä. lässt es geradezu als fahrlässig erscheinen, einen Schaden ohne Einschaltung eines Rechtsanwalts abzuwickeln“, zitiert der Obermeister aus dem Urteil des Oberlandesgerichtes Frankfurt vom 01.12.2014 (22 U 171/13).

Eigentlich ist alles ganz einfach: Unfall, Auto demoliert, ab in die Werkstatt damit, Kfz-Sachverständigen geholt, der den Schaden feststellt und beziffert, Reparatur, Versicherer zahlt Rechnung, fertig. Dann ist das Auto zwar nicht mehr unfallfrei, aber wenigstens wieder sicher und für die Wertminderung gibt’s Ersatz. Es gibt aber auch die Variante Billigreparatur. Die kann passieren, wenn sich ein Unfallgeschädigter auf die „Schadenssteuerung“ der gegnerischen Versicherung einlässt, warnt die Innung. Da kommt das dicke Ende nach, wenn das Auto später verkauft werden soll und es bei der Bewertung Abzüge für qualitativ schlechte Reparaturen gibt.

„Das Problem ist, dass der Laie den Unterschied nicht feststellen kann. Und die Tabelle von Ruhkopf/Sahm, nach der Wertminderung ermittelt wird, ist für den Normalmenschen auch ein Buch mit sieben Siegeln“, sagt Torsten Treiber. Deswegen ist es wichtig seine Rechte zu kennen: Die fängt bei der Wahl der Werkstatt an. Die Versicherung des Unfallgegners hat kein Recht, einem Geschädigten eine Werkstatt vorzuschreiben. Sie versucht’s aber trotzdem:  „Rechtlich gilt vereinfacht ausgedrückt, dass ein Unfallgeschädigter sein Fahrzeug immer in einer von ihm ausgewählten Werkstatt reparieren lassen kann, der er vertraut.“ Er muss nicht in die Werkstatt, in der die Versicherung Rabatt bekommt.

Wenn es gekracht hat, sind laut Kraftfahrzeug-Innung vor allem drei Kernrechte wichtig:

1. Die Reparatur in der Werkstatt seines Vertrauens ist das gute Recht von Fahrzeugbesitzer oder -besitzerin. Versicherungen haben kein Recht, jemandem eine andere Werkstatt vorzuschreiben.

2. Schadensfeststellung durch einen unabhängigen Sachverständigen sichert Ansprüche.

3. Übersteigen die Reparaturkosten im Totalschadensfall den Wiederbeschaffungswert, kann das Fahrzeug gleichwohl in der Fachwerkstatt repariert werden, wenn die voraussichtlichen Reparaturkosten gemäß Sachverständigengutachten den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges um nicht mehr als 30 Prozent übersteigen.

Der Innungsbetrieb, der den Wagen auch sonst wartet, ist also immer die richtige Adresse. Der Innungsbetrieb kann für den Geschädigten das Finanzielle komplett regeln: „Die Werkstatt kann mit einer Abtretung ‚erfüllungshalber’ unmittelbar an die Versicherung herantreten.“ Er kann bei der Berechnung von Nutzungsausfall und Wertminderung helfen. Und er kann helfen, einen fachlich versierten Anwalt zu finden. „Unfallschäden erfordern heute viel Fachwissen“, sagt Torsten Treiber: „Der Versicherer hat einen ganzen Stab von Technikern und Juristen. Diesen Wissensvorsprung darf der Geschädigte mittels Schadensgutachter und Rechtsanwalt ausgleichen.“ Und er sollte das auch tun, denn dass die Versicherer keine guten Onkels sondern eher böse Buben sind, ist längst richterlich beurkundet: „Die Versicherungswirtschaft hat es sich mit einem Teil ihres Regulierungsverhaltens der letzten Jahre selbst zuzuschreiben, wenn Geschädigte ihr nicht mehr vertrauen und von Anfang an anwaltlichen Rat suchen“, was ein Dortmunder Amtsrichter 2009 befand  (431 C 2944/09), gilt auch in der Region. So heißt es in einem Urteil des Esslinger Amtsgerichts vom 11. Februar 2010 - 7 C 1765/09: „Da der Haftpflichtversicherer als Spezialist in dieser Materie auf eine geschulte Organisation und auf sachkundiges Personal zurückgreifen kann, muss der rechtsunkundige Anspruchsteller als Gegengewicht einen Anwalt haben...“. Torsten Treiber: „Guter Anwalt ist gutes Recht und bringt gutes Geld ohne Zusatzkosten“, sagt Torsten Treiber, „denn bezahlen muss ihn die Versicherung des Schädigers“.

Flyer: Unfall - was tun?


 
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