Regierungspräsident Wolfgang Reimer rät zur Nachrüstung

29.07.2020
Hahn bietet jetzt flächendeckend Anlaufpunkte für Nachrüstung von VW-Modellen

Einbauablauf erklärt: Ibrahim Kahraman rechts mit Hahn-Mechatroniker erläutert die technischen Details des Baumot-Nachrüstsystems. Von links: Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Carl-Eugen Metz (ADAC) Frank Schnierle und Christian Reher von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart.

In der Region Stuttgart steigt jetzt ein Schwergewicht in die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln ein: Hahn Automobile mit Niederlassungen in Backnang, Bietigheim-Bissingen, Böblingen, Ebersbach, Esslingen, Fellbach, Göppingen, Kornwestheim, Ludwigsburg, Pforzheim, Schorndorf, Sindelfingen, Wendlingen und Weinstadt und die Baumot-Gruppe arbeiten bei der Nachrüstung von Modellen aus dem VW-Konzern zusammen. Der Grund liegt vor der Haustür: In Stuttgart gilt seit 1. Juli nach dem Luftreinhalteplan in der „kleinen Umweltzone“ Stuttgart ein Verkehrsverbot für Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren unterhalb der Abgasnorm Euro 6/VI. Derzeit gibt die fehlende Beschilderung noch eine Gnadenfrist. Die Ankündigung von Innenminister Thomas Strobl (CDU) weiter gegen Fahrverbote zu kämpfen, sorgt dagegen für keinen Aufschub. „Ich musste das Verkehrsverbot anordnen, da bisher alle Gerichtsentscheidungen gegen das Land getroffen wurden“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer bei einem Termin im Fellbacher Hauptsitz der Hahn-Gruppe. Dauerhaftes Gegenmittel für guterhaltene Euro-5-Diesel aus dem VW-Konzern, aber auch Mercedesfahrzeuge, ist die Nachrüstung der Abgasreinigung. Deswegen wirbt Wolfgang Reimer für diese Nachrüstung, deswegen sieht die Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart gute Chancen dafür, dass Stuttgart zu einem Nachrüstungshotspot wird, sagen Innungsgeschäftsführer Christian Reher und Frank Schnierle, der Vize-Obermeister. Allerdings: ein Selbstläufer ist die Nachrüstung noch nicht.

In der Region Stuttgart sind derzeit ein rundes Dutzend Betriebe schon für die Nachrüstung trainiert, sagt Frank Schnierle. Die Innung hat dafür mit dieselnachruesten.de auch eine Informationsplattform ins Leben gerufen, auf der es jeweils die aktuellsten Informationen gibt. Und „dass jetzt mit der Hahn-Gruppe ein Kfz-Schwergewicht einsteigt, freut uns besonders“, sagt der Vize-Obermeister. Rene Rudzinski, Geschäftsführer Aftersales der Hahn Automobile, sieht das Angebot an Nachrüstungsmöglichkeiten als wichtig an, kann allerdings auch nachvollziehen, dass das Thema momentan bei den betroffenen Dieselbesitzenden nicht oberste Priorität genießt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir noch immer in einer Pandemie leben.“

Carl-Eugen Metz, Vorstandsmitglied im ADAC Württemberg, spricht aber noch zwei Gründe an, die dafür sorgen, dass das Thema Nachrüstung nicht oberste Priorität hat: Der ADAC hatte bereits Anfang 2018 mithilfe einer Testreihe nachgewiesen, dass Nachrüstung tatsächlich funktioniert und etwas bringt. Bis zur Genehmigung der ersten Nachrüstsysteme durch das Kraftfahrt-Bundesamt, „sind zwei Jahre vergangen“. Und die aktuelle „Diskussion um den richtigen Weg zur Einhaltung der Grenzwerte und die Signale der Politik haben die Menschen auf den falschen Weg gebracht.“ Einige Fahrzeugbesitzer wähnten sich mit reinen Softwareupdates in Sicherheit. „Das ist ein Spiel auf Zeit.“ Und das werde dadurch verstärkt, dass nur VW und Mercedes die Nachrüstung finanziell fördern. „Die finanzielle Förderung ist ein Problem. Es ist Zeit, dass mehr Hersteller diesem Beispiel folgen.“ Christian Reher wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass die Innung bereits mehrmals einen Nachrüstfonds vorgeschlagen hat, die Politik sich in diesem Punkt aber nicht bewegt habe.

Deswegen haben im Moment die Menschen mit Euro-5-Dieseln des VW-Konzerns und von Mercedes finanziell die günstigste Möglichkeit an Nachrüstsysteme zu kommen, weil sie mit einem 3.000-Euro-Zuschuss rechnen können. Es kann allerdings für alle, die im Stuttgarter Talkessel, Zuffenhausen und Feuerbach (das ist die kleine Umweltzone) wohnen oder arbeiten, zeitlich mit der Nachrüstung etwas knapp werden. Die Baumot-Gruppe produziert nicht auf Lager, wie Ibrahim Kahraman als Baumot-Vertreter bestätigte, sondern immer dann, wenn eine bestimmte Zahl an Bestellungen vorliegt. Deswegen liegen die Lieferzeiten derzeit auch mal bei acht bis zwölf Wochen.

Klar ist in diesem Punkt im Moment laut den bei der Kraftfahrzeuginnung vorliegenden Daten, dass in der Region mindestens 40.000 nachrüstbare Diesel-Pkw aus den Häusern VW und Mercedes vorhanden sein dürften. Wobei das eine Hochrechnung auf der Basis der Marktanteile und der gemeldeten Daten aus den Zulassungsstellen ist. Allein in Stuttgart dürfte davon ein Viertel beheimatet sein, schätzt Vize-Obermeister Frank Schnierle. Der Gesamtbestand der Euro-5-Diesel lag am 1. Januar laut KBA in der Region bei knapp 146.000 Pkw.

Bei Hahn rät Rene Rudzinski schon bei diesen Zahlen allen, für deren Fahrzeuge es Nachrüstsysteme gibt, „lieber heute als morgen zu bestellen, damit der Nachrüstsatz rechtzeitig da ist“. Laut Regierungspräsident Wolfgang Reimer ist der Dieselbesitzende damit dann auf alle Fälle auf der sicheren Seite: „Die Zulassung des Kraftfahrt-Bundesamtes gibt es nur, wenn der Motor den vorgeschriebenen Grenzwert an Stickstoffdioxid von 270 mg/km einhält. Damit ist er von Verkehrsverboten befreit.“ Und beim Softwareupdate, das zumindest bis 30. Juni 2022 freie Fahrt gewähren soll, gibt es noch einen Haken, den es bei der Hardwarenachrüstung nicht gibt. Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, lehnt das Softwareupdate auf Befragen als unzureichend ab und will es am liebsten loswerden. Noch gibt es allerdings keine rechtlichen Schritte in diesem Punkt. Noch.


 
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