Regierungspräsidium und Kraftfahrzeuggewerbe werben für Nachrüstung

02.09.2020
Als ersten droht jetzt Import-Euro-5-Dieseln ohne Nachrüstung Bußgeld

Alle für Nachrüstung: Carl-Eugen Metz (ADAC), Christian Reher (Kfz-Innung Region Stuttgart), Wolfgang Reimer (Regierungspräsident), Michael Ziegler (Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg und Geschäftsführer Einzelhandel der Schwabengarage), Torsten Treiber, Obermeister der Kfz-Innung. Bild: Banzhaf

Euro-5-Diesel deutscher Hersteller haben teilweise Softwareupdates oder können sich bereits erste Hardwaresets zur Nachrüstung einbauen lassen. Bei den Importmarken wurde jetzt in der Schwabengarage in Stuttgart ein Nachrüstset der Firma Bosal für den Volvo XC60 vorgestellt. Volvo ist damit der erste Importeur, der von den Nachrüstherstellern berücksichtigt wird. Für die anderen gab es klar Ansagen: Regierungspräsident Wolfgang Reimer stellte beim Termin klar, dass es derzeit keine Aussicht auf eine gerichtliche Aufhebung des Fahrverbotes in der kleinen Umweltzone gibt. „Das Fahrverbot gilt seit 1. Juli und es wird ab Oktober auch kontrolliert.“ Damit wird es für alle eng, die mit Euro-5-Dieseln in Stuttgart wohnen oder durch Stuttgart durchmüssen, aber besonders für die mit Pkw ausländischer Hersteller. Für letztgenannte Fahrzeuge gibt es derzeit seitens der Hersteller mit Ausnahme von Volvo keine Nachfrage nach Nachrüstsätzen, bestätigt Bernhard Romanski von Bosal Emission Controlsystems. Michael Ziegler, Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg und Geschäftsführer Einzelhandel der Emil Frey Gruppe Deutschland bedauert das in beiden Funktionen. Er sieht Nachrüstung auch als wichtiges Mittel, um die Gebrauchtwagenbestände und die Leasingrückläufer in den Autohäusern wieder marktfähig zu machen. Technisch ist die Nachrüstung kein Problem, versichert Carl-Eugen Metz, Vorstandsmitglied vom ADAC Württemberg. Finanziell sprechen wir bei dem Volvo XC60 von rund 4.500 Euro Einbaukosten, sagt Stefan Salbeck von der Schwabengarage. Zahlenmäßig beziffern Obermeister Torsten Treiber und Geschäftsführer Christian Reher von der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Region Stuttgart, den Anteil der Import-Euro-5-Diesel mit bis zu 40.000 Pkw am Gesamtbestand dieser Diesel-Pkw von über 140.000 in der Region. „Eher schon ein paar weniger“, sagt Christian Reher, „in der Stadt steigen viele um, das haben wir vor einem Jahr schon bei den Euro-4-Dieseln beobachtet.“

In einem sind sich Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Michael Ziegler, der Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes und Obermeister Torsten Treiber einig: „Es ist wenig nachhaltig und eine ökologische Verschwendung, wenn man solche Autos wegschmeißt“ (Reimer). Es ist technisch auch nicht notwendig, sagt Carl-Eugen Metz, Vorstandsmitglied im ADAC Württemberg, der als Projektleiter die umfangreiche Testreihe zur Machbarkeit und Wirksamkeit der Hardware-Nachrüstung verantwortet hat. Bis zu 80 Prozent Schadstoffsenkung seien erreicht worden. Kritisch sieht er allerdings, was danach bei der Umsetzung der Ergebnisse passierte und passiert: „Mir geht’s zu langsam.“

Sieben Nachrüstsets gibt es inzwischen. Alle hat Wolfgang Reimer bei Werkstatt-Terminen zusammen mit der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart präsentiert. Denn Nachrüstung ist ihm ein Anliegen. Einfach deswegen, weil sie der sicherste Weg sei, die Schadstoffwerte zu senken. Spricht’s und weist aus dem Fenster aufs Neckartor, an dem das Gebäude der Schwabengarage steht. Stand Anfang September noch damit zu rechnen, dass die Fahrverbote gerichtlich ausgesetzt werden, klassifiziert er als Wunschdenken: „Ich bin Chef einer großen Verwaltungsbehörde und muss mich an Recht und Gesetz halten.“ Und Stand jetzt, gilt: „Das seit 1. Juli geltende Fahrverbot wird ab 1. Oktober kontrolliert.“

Der Volvo XC60 auf der Hebebühne ist dabei ein besonderer Fall. Er ist das einzige Fahrzeug eines ausländischen Herstellers für das es aktuell überhaupt einen Nachrüstsatz gibt. SEAT mit dem Alhambra lassen wir in dem Fall mal außen vor: Der hat einen Motor aus dem VW-Mutterkonzern drin. „Die ausländischen Hersteller haben sich bei Thema Nachrüstung bedeckt gehalten, weil sie nicht in den Ruch der Betrugsdiesel kommen wollten“, sagt Christian Reher.

Der Schuss kann allerdings jetzt nach hinten losgehen: „Nur mit Nachrüstung oder Softwareupdate können Euro-5-Diesel weitergefahren werden“, ergänzt Torsten Treiber. Das gilt für alle. Die Schwabengarage, die in- und ausländische Marken vertritt, würde sofort verstärkt in die Nachrüstung aller Marken einsteigen, „wenn es die entsprechenden Nachrüstsätze gibt“, bestätigt Michael Ziegler. Allerdings wäre das nur die halbe Miete: „Nur VW und Mercedes bezuschussen die Nachrüstung mit einem Zuschuss bis zu 3.000 Euro“, weiß auch Wolfgang Reimer. Der Fahrer des Volvo hilft der Umwelt auf eigene Kosten. Ein paar Meter weiter in der Werkstatt steht ein BMW auf der Hebebühne. BMW-Besitzende könnten auch nachrüsten. Aber auch nur auf eigene Kosten: „Die Nachfrage ist im Moment noch zurückhaltend“, formuliert Stefan Salbeck, der Regionalleiter der Schwabengarage, diplomatisch.

Aber: „Mit der Umsetzung des Stuttgarters Verkehrsverbots wächst jetzt der Druck zur Nachrüstung“, sagt Obermeister Torsten Treiber: „Der Regierungspräsident hat da bei allen Treffen klare Ansagen gemacht.“ Die Nachfrage bei den Werkstätten steige auch. Allerdings gebe es noch zu lange Lieferfristen. Das wird sich ändern, verspricht Bernhard Romanski von Bosal: „Wenn Sie 1.000 Stück brauchen, haben Sie die innerhalb einer Woche“. Wobei nicht zu klären war, ob es überhaupt 1.000 Volvos XC60 in der Region gibt. „Demnächst liefern wir auch VW-Nachrüstsätze, die sind in Arbeit.“ Da wäre die Nachfrage dann sicher gesichert.

 


 
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