Stuttgarter Diesel-Fahrverbote betreffen nicht alle Euro-5-Diesel - Softwareupdates geben freie Fahrt

03.01.2020

Kraftfahrzeuginnung rät dazu, die Bescheinigungen über Softwareupdates ins Handschuhfach zu legen. Vor allem deutsche Euro-5-Diesel dürften in Stuttgart weiter freie Fahrt behalten

Rund 147.000 Euro-5-Diesel in Stuttgart und der Region sind vom neuen Fahrverbot auf Stuttgarter Einzelstrecken betroffen. Nicht ganz 21.000 davon allein in Stuttgart. „Der größte Teil dürfte aber freie Fahrt haben“, gibt Christian Reher, der Geschäftsführer der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart fürs erste Entwarnung: „Wer ein anerkanntes Softwareupdate hat machen lassen, hat vorerst freie Fahrt und Gelegenheit nach einer Hardwarenachrüstung zu schauen.“  

83.000 Diesel-Pkw, davon weniger als ein Viertel noch mit Euro-5-Norm, das sind die aktuellsten Werte aus Stuttgart. Die Stadt hat damit den geringsten Euro-5-Diesel-Pkw-Anteil in der Region. In den Kreisen ist es rund ein Drittel. Freie Fahrt dank Softwareupdate betrifft im Moment vor allem Diesel deutscher Hersteller und da speziell Fahrzeuge des VW-Konzerns (bundesweit 3,8 Millionen), Daimler (0,9 Millionen), BMW (0,3 Millionen), Opel und andere (0,3 Millionen). Und es „gilt speziell nur für Stuttgart, weil es dort im Luftreinhalteplan steht“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Zitat: „Für eine Übergangszeit von zwei Jahren werden Kraftfahrzeuge mit einem Softwareupdate zur Emissionsminderung von Stickstoffoxid ausgenommen, sofern das Softwareupdate für diesen Fahrzeugtyp vom Kraftfahrt-Bundesamt anerkannt wurde und die Besitzer das Softwareupdate schriftlich nachweisen können.“  

„Schriftlich ist das Zauberwort“, sagt Roger Schäufele, der Kreisvorsitzende der Innung und Geschäftsführer eines Autohauses. Er rät dazu auf jeden Fall eine Kopie der Updatebescheinigung („Rechnung gibt’s ja in dem Fall keine“) im Auto mitzuführen. Für Fahrzeuge ausländischer Hersteller ist die Lage aufgrund der KBA-bezogenen Regelung undurchsichtig. Denn rechtlich sind die Pendants des KBA in Europa genauso berechtigt Softwareupdates anzuerkennen. Die Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart rät dazu, auch bei Autos ausländischer Hersteller, bei denen Softwareupdates bezogen auf das Abgasverhalten durchgeführt wurden, eine entsprechende Bestätigung der Werkstatt mitzuführen und appelliert an Stadt und Polizei „bei Kontrollen Augenmaß walten zu lassen.“ Sie fordert außerdem von Bund und Land „eine eindeutige Regelung für ausländische Fahrzeuge mit entsprechenden Softwareupdates“, sagt Christian Reher.  

Mit Regierungspräsident Wolfgang Reimer ist sich die Innung speziell in einem einig: „Je mehr Hardware-Nachrüstungen genutzt werden, desto besser werden sich die NO2-Werte entwickeln“ (RP-PM). Um eine flächendeckende Nachrüstung zu erreichen, müsse aber der Staat diese auch für alle Bereiche und nicht nur für sogenannte Intensivstädte freigeben und dem Beispiel von VW und Mercedes folgen: „Wenn diese Hersteller einen Zuschuss von bis zu 3.000 Euro zahlen, um ihre in die Kritik geratene Euro-5-Diesel nachzurüsten, dann müssen auch Euro-5-Dieselfahrende, deren Fahrzeuge technisch in Ordnung sind, die aber per Hardware-Nachrüstung auch zu einem niedrigeren Schadstoffausstoss kommen können, gefördert werden“, sagen Christian Reher und Torsten Treiber: „Wir haben jetzt die paradoxe Situation, dass ausgerechnet die, deren Autos keine Betrugsdiesel sind und die auch kein Softwareupdate brauchten, von den Fahrverboten betroffen sind. Das macht doch keinen Sinn.“


 
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