Treiber: „Gebrauchtwagenmarkt zog an und bei Neuwagen keimt Hoffnung“

07.08.2020
Kraftfahrzeuginnung ist vorsichtig optimistisch

„Die neuesten Zahlen aus den Zulassungsstellen in der Region Stuttgart machen Hoffnung, aber für Jubel ist es noch zu früh“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung zur Entwicklung der Zulassungszahlen im Juli. Denn zuviel ist auf dem Automarkt durch Corona noch durcheinandergewirbelt. Über 25.000 Pkw-Besitzumschreibungen gab es im Juli in der Region Stuttgart, melden die Zulassungsstellen der Landratsämter und der Stadt Stuttgart. Das ist ein Plus von 15,6 Prozent und toppt den Bundeswert von 13,5 Prozent, den das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) meldet. In Stuttgart sind die Besitzumschreibungen sogar um 20,1 Prozent gestiegen. Die 17.506 regionalen Pkw-Neuzulassungen sind 6,7 Prozent weniger als vor einem Jahr im Juli (Bund minus 5,4 Prozent). Bei den Neuzulassungen in Stuttgart ist das Bild zweigeteilt: Hier liegt deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr zwar um 9,8 Prozent niedriger, aber im Vergleich zum Vormonat Juni 2020 in absoluten Zahlen um 1.900 Pkw höher. Die Innung bleibt vorsichtig: „Wir freuen uns, aber in den Zahlen stecken so kurz nach dem Lockdown zu viele Unwägbarkeiten“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher.

Was er damit meint: Die Stuttgarter Zulassungsstelle beispielsweise hat einen Zulassungstau, der noch abgearbeitet werden muss. Das heißt Autoverkäufe aus dem Juni können erst im Juli bearbeitet worden sein, das verzerrt das Bild.“ Aussagekräftiger ist deswegen aus Sicht der Innung im Moment der Blick auf die Gesamtentwicklung bei den Neuzulassungen vom 1. Januar bis zum 31. Juli. Danach gab es bisher insgesamt 24.387 Neuzulassungen in Stuttgart. Und das sind über 13.000 Pkw oder 35 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Das sind ungefähr 393,5 Millionen Euro Umsatz weniger und da zweifelt wohl niemand daran, dass das für die Autohäuser nach wie vor existenzbedrohend ist“, sagt der Kreisvorsitzende Roger Schäufele: „Wir sind noch lange nicht über den Berg, sondern wandern auf einem schmalen Grat.“

In den 5.555 Pkw-Neuzulassungen, die die Zulassungsstelle im Juli bearbeitet hat, sind 273 Elektroautos und 1.281 Hybride enthalten. „Da können wir sagen, dass die Elektroprämie wirkt, aber auch das kann nur eine vorübergehende Momentaufnahme sein“, sagt Obermeister Torsten Treiber: „Denn damit sind zwar im Juli 28 Prozent aller neuzugelassenen Pkw zumindest teilweise auf Strombasis unterwegs. Aber inzwischen dürfte der überwiegende Teil der Lagerwagen verkauft worden sein und beim Nachschub hapert‘s. Damit werden die Verkäufe in den kommenden Monaten von den Lieferfristen der einzelnen Hersteller beeinflusst und das verzerrt das Bild noch weiter.“

Bei den Antriebsarten Benziner und Diesel ist das Bild ähnlich, sagt Reiner Äckerle, der Pressesprecher der Kraftfahrzeuginnung und Inhaber eines Autohauses aus eigener Erfahrung: „Wir verkaufen und lassen Lagerwagen zu oder Pkw, die wegen der coronabedingten Produktionspause zwar früher bestellt, aber erst im Juli ausgeliefert wurden. Das sagt über die tatsächliche Entwicklung nicht alles aus.“ Letzter Punkt der Unwägbarkeit: „Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet einen starken Rückgang der Firmenfahrzeugkäufe.“ In Stuttgart sind die Neuzulassungen bei diesen Rahmenbedingungen bei den Dieseln beispielsweise um 498 oder 32 Prozent hochgeschnellt, bei den Benzinern aber eingebrochen. Weswegen es unter dem Strich trotz Diesel- und Elektroauto-Plus ein Minus gab.

„Verlässlichere Zahlen, um die Lage auf dem Automarkt wenigsten im Ansatz zu beurteilen, liefert die Entwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt“, sagt Christian Reher. Allerdings gibt es auch da eine Einschränkung: „Hier sehen wir vor allem die Entwicklung bei der privaten Nachfrage, denn hier dominieren die Privatleute.“ In Stuttgart wurden in der Zulassungsstelle im Juli 4.383 Halterwechsel vollzogen (734 oder 20,1 Prozent mehr als im Vorjahr). Das sind deutlich mehr als der Zuwachs im Bundesdurchschnitt mit 13,3 Prozent. Insgesamt wechselten von Januar bis Juli 21.377 Pkw Besitzer oder Besitzerin. Das sind 4.417 oder 17,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Trotzdem ist das ein Hoffnungsschimmer: „Die Stimmung bei den privaten Autokäufern ist besser als wir erwartet haben“, sagt Torsten Treiber: „Allerdings wissen wir auch, dass Juni und Juli die Monate sind, in denen sich die Menschen ihre Autowünsche erfüllen. Die wahre Nagelprobe kommt also erst noch.“


 
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