Stadt Stuttgart | Über 500 Fahrzeuge in Stuttgarter Autohäusern warten auf ihre Zulassung und bringen kein Geld

06.04.2020
OB Kuhn muss das zur Chefsache machen

In Stuttgarter Autohäusern und Kfz-Betrieben warten rund 500 Pkw, 60 Nutzfahrzeuge und 40 Fahrzeuge anderer Art vom Wohnmobil bis zum Motorrad auf eine Zulassung durch die Zulassungsstelle. Das hat eine Blitzumfrage der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart bis Donnerstagmittag ergeben. „Für unsere Betriebe ist dieser Zulassungsstau eine Katastrophe“, sagt Obermeister Torsten Treiber: „Wenn die Fahrzeuge nicht zugelassen sind, können sie nicht ausgeliefert und berechnet werden. Wir sprechen hier von bis zu 20 Millionen Euro, die den Stuttgarter Betrieben in der Kasse an Liquidität fehlen.“ Christian Reher, der Geschäftsführer der Innung, appelliert deshalb öffentlich an OB Fritz Kuhn, das Thema Zulassungen zur Chefsache zu machen: „Die Abläufe müssen dringend so geändert werden, dass die Autohäuser in Stuttgart alle Zulassungen zeitnah abwickeln und die Fahrzeuge ausliefern können.“ Die Pressestelle der Stadt sagt zur aktuellen Lage: „Derzeit werden bei der Kfz-Zulassungsstelle der Landeshauptstadt Stuttgart Händlerzulassungen nach telefonischer Vereinbarung und entsprechender Terminvergabe bearbeitet.“ Wie viele Zulassungen an Neu- und Gebrauchtwagen tatsächlich abgewickelt wurden, bleibt allerdings derzeit offen: “Die Zahlen können erst nach Ostern geliefert werden“, heißt es aus der Zulassungsstelle.

Normal waren in den letzte Jahren 8.000 bis knapp 10.000 Neuzulassungen und Besitzumschreibungen: „Die Situation ist im Moment für alle Betroffenen vollkommen unbefriedigend“, sagt Roger Schäufele, der Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung. Er bemängelt, wie seine Kollegen auch, „dass keiner durchblickt, wann und wie die Zulassungsstelle schafft“. Es gibt in der Tat „auch Autohäuser, die nach tagelangen Aktionen einen Zulassungstermin bekommen haben“, bestätigt Geschäftsführer Christian Reher. Nach den Ergebnissen der Blitzumfrage „haben wir gestern alle Autohäuser gebeten, nochmal bei der Zulassungsstelle anzurufen und zu versuchen Zulassungstermine zu bekommen. Auf das Ergebnis sind wir gespannt.“

Dieser neue Versuch basierte auf der Aussage der Stadt: „Derzeit werden bei der Kfz-Zulassungsstelle der Landeshauptstadt Stuttgart Händlerzulassungen nach telefonischer Vereinbarung und entsprechender Terminvergabe bearbeitet.“ Es gibt aber auch eine amtliche Auskunft, die eine andere Vorgehensweise der Zulassungsstelle beschreibt. Diese stammt von Tilmann Endriß, dem persönlichen Referenten von Ordnungsbürgermeister Dr. Martin Schairer und ging an die Stuttgarter Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Gabriele Reich-Gutjahr. Darin heißt es unter anderem: Es würden „über zwei geöffnete Schalter etliche Termine bearbeitet“. Es sei aber eine „Terminvergabe nur noch nach vorheriger telefonischer Beratung möglich“ Und vor allem: „Termine werden vorwiegend nur mit Bezug zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens gemacht. Dazu zählen vor allem: Fahrzeuge aus dem Bereich des Gesundheitswesens (Ärzte, Kranke- und Pflegepersonal, Rettungsdienst usw.), Fahrzeuge von Berufsgruppen aus dem Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Polizei, Feuerwehr, AWS, Städt. Eigenbetriebe usw.) Fahrzeuge von Berufsgruppen, die für die Grundversorgung der Bevölkerung wichtig sind (Apotheken, Lebensmittellieferanten, Post, Taxen, usw.).“

„Dieses Vorgehen wird einer Landeshauptstadt überhaupt nicht gerecht“, kommentiert Obermeister Torsten Treiber. Dabei hat er nichts gegen einen Vorrang für Krankenwagen oder andere systemrelevante Autos: „Ärzte kaufen ihre Autos ja auch bei unseren Betrieben.“ Aber unter dem Strich sei das nur ein kleiner Teil der Fahrzeuge, um die es gehe: Im März 2019 sind über 5.800 Neu-Pkw und mehr als 3.600 Gebrauchte zugelassen worden. „Von diesem März habe wir keine Zahlen, aber wir wissen, dass jedes Auto, dass ausgeliefert werden konnte, hilft, den Betrieb vor der Insolvenz zu schützen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Denn die Autos sind gegenüber Herstellern und Verkäufern bei Gebrauchtwagen alle schon bezahlt und die Betriebe müssen das finanzieren, bis sie das Geld vom Kunden bekommen.“

Außerdem bekomme auch die Käufer durch verzögerte Auslieferungen Probleme, ergänzt Geschäftsführer Christan Reher: „Leasingfahrzeuge müssen abgegeben werden und wenn kein Ersatzwagen da ist, macht das Probleme. Wir haben auch Fälle, wo Privatkunden händeringend auf ihren Wagen warten, weil der alte Wagen einen Motorschaden hatte und die fürs tägliche Leben, vom Einkauf, den Weg zur Arbeit oder auch zum Arzt auf ein Auto angewiesen sind.“ Zusammengefasst: „Die Zulassungsstelle Stuttgart wirkt für uns wie eine große Blackbox. Wir sind natürlich für den Gesundheitsschutz für die Beschäftigten. Wir würden ja gerne helfen, den Ablauf zu optimieren, beispielsweise durch kontaktlose Übergabe der Unterlagen, aber im Moment haben unsere Betriebe den Eindruck, die Stadt lässt sie links liegen. Das ist nicht gut.“

Test am Freitagvormittag: Fünf bekamen einen Termin, fünf keinen

Am Freitagvormittag haben zehn Autohäuser auf Bitten der Innung bis zwölf Uhr nochmal den Test gemacht. Ergebnis fünf konnten telefonisch einen Termin für Zulassungen vereinbaren, fünf bekamen keinen. Die Wartezeit beträgt zwischen drei und sieben Werktagen. Insgesamt werden rund 20 Autos zugelassen. „Der Aufwand Termin zu kommen, ist immens“, sagt Christian Reher. Der Zulassungsstau bleibt weiter das Problem. Termine per Email ausmachen zu können, würde helfen.“ Die Geschichte hat freilich einen Haken: „E-Mail-Anfragen sind grundsätzlich möglich, wenngleich die Bearbeitung aufgrund der Lage bis zu einer Entspannung der Lage aufgeschoben werden muss.“ (Tilman Endriß).


 
Home » Nachrichten » Stadt Stuttgart | Über 500 Fahrzeuge in Stuttgarter Autohäusern warten auf ihre Zulassung und bringen kein Geld
Durch das Anklicken des Buttons "Ich stimme zu" erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies und der Datenverarbeitung durch die Webanalyse Piwik einverstanden. Detaillierte Informationen erhalten Sie unter Datenschutz.
Ich stimme zu