Werkstatt-Termine in Coronazeiten sparen Bußgeld und retten Arbeitsplätze

26.03.2020
Kraftfahrzeuginnung: Betriebe brauchen private Aufträge

HU-Plakette abgelaufen und trotzdem mit dem Auto unterwegs? „In Coronazeiten mit verstärkter Polizeipräsenz keine gute Idee“, sagt Torsten Treiber, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Inspektionstermine verschieben, die eh anstehen, oder Reparaturen aufschieben, macht auch keinen Sinn: „Alle unsere Kfz-Werkstätten haben offen und der Betrieb läuft normal.“ Allerdings: Die Nachfrage entwickelt sich unterschiedlich. „Wir haben in einer Blitzumfrage Umsatzrückgänge zwischen zehn und 90 Prozent gemeldet bekommen“, sagt Christian Reher, der Geschäftsführer der Innung. Beide raten dazu, „Werkstatt-Termine, bei Bedarf auch zusammen mit den HU-Terminen, wie gewohnt zu vereinbaren. Es gibt keine Ansteckungsgefahr, es gibt geringe Wartezeiten und es gibt einen wichtigen Grund, jetzt nicht von der üblichen Vorgehensweise abzuweichen: Jeder Auftrag sichert Arbeitsplätze.“

Jetzt die Corona-Bremse reinzuhauen und einfach nichts zu tun, „ist verständlich, wenn gerade das Einkommen wegzubrechen droht“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Wer nicht von Kurzarbeit bedroht ist, kann es bei der üblichen Autoroutine belassen: „Die Werkstätten sind offen, weil die Landesregierung sie als systemrelevant ansieht, um die Mobilität der Menschen zu sichern. Wenn nichts mehr fährt, fährt das Auto immer noch.“ 900 Betriebe in der Region mit über 12.000 Beschäftigten und 2.000 Azubis stehen bereit. „Auch Sie sind Alltagshelden, wie die Beschäftigten in den Lebensmitteläden, denn sie sichern die Mobilität und die Versorgung, die zu gut 90 Prozent darauf beruht, dass Autos aller Größenklassen intakt sind und zuverlässig die Güter bringen. Ohne Werkstätten käme der Waren- und Personenverkehr in kürzester Zeit zum Erliegen.“

Die Coronakrise hat auch nicht die STVO ausgehebelt: Eine mehr als zwei Monate abgelaufene HU-Plakette kostet 15 Euro Bußgeld, werden es vier Monate sind es schon 25 Euro. „Geld, dass in ein technisch einwandfreies Auto besser investiert ist“, sagt Christian Reher. Dazu kommen Verschleißdefekte, wie ausgefallene Scheinwerfer, Windschutzscheibenschäden, abgefahrene Bremsbeläge und der fällige Räderwechsel, kurz alles, was der Autoalltag so mit sich bringt. „Außerdem ist es die eigene Gesundheit, die mit defekten Autos riskiert wird.“

„Bei den Inspektionen ist auch noch darauf zu achten, was die Garantie verlangt“ sagt Obermeister Torsten Treiber. Polizeiautos, Kranken-, Rettungs- und Notarztwagen plus Feuerwehrautos kommen derzeit ganz regulär zu Wartungs- und Reparaturarbeiten in die Werkstatt. „Das ganze Notfallsystem basiert darauf, dass diese Fahrzeuge funktionsfähig sind. Die ganze Versorgungslogistik basiert darauf, dass Lkw und Nutzfahrzeuge laufen und wenn der Privatwagen beim Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen schlappmacht, macht das auch zusätzliche Probleme.“ Für die Autohäuser sind die Einnahmen aus dem Werkstattbetrieb derzeit besonders wichtig, daraus macht die Innung auch keinen Hehl. Autohandel ist ja nur noch eingeschränkt möglich. Die Werkstatt sichert Bestand und Arbeitsplätze, braucht deswegen aber nicht nur öffentliche Aufträge, sondern auch aus dem privaten Bereich: „… wär‘ ja blöd, wenn im Mai Corona vorbei ist, aber an der Werkstatt des Vertrauens ein Geschlossen-Schild hängt, weil Corona sie das Leben gekostet hat.“


 
Home » Nachrichten » Werkstatt-Termine in Coronazeiten sparen Bußgeld und retten Arbeitsplätze
Durch das Anklicken des Buttons "Ich stimme zu" erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies und der Datenverarbeitung durch die Webanalyse Piwik einverstanden. Detaillierte Informationen erhalten Sie unter Datenschutz.
Ich stimme zu