Baden-Württemberg hinkt beim Gebrauchtwagenmarkt hinterher
Kfz-Gewerbe fordert politische Impulse für bezahlbare individuelle Mobilität

Baden-Württemberg fällt im Gebrauchtwagenmarkt weiter zurück: Mit nur 1,0 Prozent Wachstum blieb der Südwesten im Juli deutlich hinter dem bundesweiten Plus von 2,5 Prozent. Die 82.669 Pkw-Besitzumschreibungen bestätigen die vom Kraftfahrzeuggewerbe bereits im Juli geäußerten Bedenken. „Nach 100 Tagen der neuen Bundesregierung sehen wir zwar viele Ankündigungen, aber noch keine wirksamen Taten“, kommentiert Michael Ziegler, Präsident des Baden-Württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes.
Restwertproblematik bremst E-Auto-Akzeptanz
Branchenanalysen zeigen, dass E-Autos nach drei Jahren nur noch 51,5 Prozent ihres Neuwerts erzielen – verglichen mit 64 Prozent bei Benzinern. „Der E-Gebrauchtwagenmarkt funktioniert noch nicht so, wie es für eine erfolgreiche Zukunft der individuellen Mobilität notwendig wäre", erklärt Ziegler. „Händler erleiden durch zu optimistisch kalkulierte Restwerte bei Leasingrückläufern massive Verluste, während Verbraucher beim E-Auto-Kauf zögern.“ Trotz dieser Herausforderungen erreichten E-Gebrauchtwagen im Juli zweistellige Steigerungen auf 5.384 Besitzumschreibungen – trotz der Steigerungsraten ein nach wie vor unzureichender absoluter Wert.
Hohe Strompreise als Haupthindernis
Deutschland weist mit durchschnittlich 40 Cent pro Kilowattstunde die höchsten Strompreise in Europa auf – deutlich über dem EU-Durchschnitt von 29 Cent. „Wenn Laden teurer als Tanken wird, kann keine Akzeptanz für die E-Mobilität entstehen“, warnt der Verbandspräsident.
Verbrenner dominieren weiterhin den Markt
84,2 Prozent aller Gebrauchtwagen-Umschreibungen entfielen auf Verbrenner (Vorjahr: 86,8 Prozent). Diesel verzeichneten mit minus 5,1 Prozent auf 23.216 Umschreibungen den stärksten Rückgang, während Benziner mit minus 0,6 Prozent auf 46.354 Halterwechsel stabiler blieben. „Der Fahrzeugbestand von rund 1,6 Millionen Verbrennern allein in Baden-Württemberg kann nicht ignoriert werden“, betont Ziegler. „Diese Fahrzeuge brauchen alternative Kraftstoffe, um schnell CO2-neutral zu werden, ohne dass Millionen Fahrzeughalter zum Umstieg gezwungen werden.“
Maßnahmenpaket für zukunftsfähige Mobilität
Angesichts der geplanten 3.600-Euro-E-Auto-Prämie und angekündigten Strompreissenkungen fordert das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe konkrete Maßnahmen in vier Bereichen: Zum einen brauche man dringend eine gezielte Förderung des E-Gebrauchtwagenmarktes für stabile Restwerte, so Präsident Michael Ziegler, wobei Batteriezertifikate, wie sie Innungsbetriebe zunehmend anbieten, zusätzliches Vertrauen bei Käufern schaffen könnten. Zum anderen seien die geplante Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde und reduzierte Netzentgelte überfällig, denn „ohne günstigere Strompreise wird die E-Mobilität zum Luxusgut für Besserverdienende.“ Drittens setze sich das Kraftfahrzeuggewerbe für eine ideologiefreie Technologievielfalt ein, bei der alternative Kraftstoffe den gesamten deutschen Verbrenner-Bestand CO2-neutral machen könnten – ohne zusätzliche Kosten für einkommensschwächere Haushalte. Schließlich belasteten überbordende Bürokratie- und Dokumentationspflichten mittelständische Kfz-Betriebe massiv, weshalb „das 'One-in, Two-out'-Prinzip endlich konsequent umgesetzt werden“ müsse.
Klarer Handlungsauftrag an die Politik
Der Verband sieht sich durch die aktuelle Kritik des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) an der Bundesregierung bestätigt: Nach 100 Tagen seien wichtige Reformvorhaben zwar angekündigt, aber zentrale Erwartungen des mittelständischen Kfz-Gewerbes blieben unerfüllt. „Die Zeit der Ausreden ist vorbei – jetzt müssen die Weichen für eine erfolgreiche und sozial verträgliche Modernisierung des Verkehrssektors gestellt werden“, so Ziegler.
Die schwachen Juli-Zahlen in Baden-Württemberg zeigten, dass der Südwesten als Automobilstandort besonderen politischen Rückenwind brauche. Das baden-württembergische Kfz-Gewerbe mit seinen 3.800 Betrieben und 52.000 Beschäftigten stehe bereit, die Zukunft der Mobilität zu gestalten – mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen.
Pressemitteilung Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg e.V. vom 28. August 2025